Thailand 2009

Thailand2009_1Vorher

Guten Tag allerseits und gleich eines vorweg. Ja, dieses Bild ist aus Thailand, und nein, nicht jetzt gemacht sondern vor eineinhalb Jahren. Die anderen reiche ich nach, wenn ich zurück bin, die Texte kommen live aus dem Internetcafe – in dem ich noch gar nicht sitze, weil ich diese paar Zeilen vor meinem Abflug schreibe. Irgendwie ganz strange, die Wirklichkeit in ihrem Zeitfluss so durcheinanderzubringen! Also. Wenn Du nach dem 23. Jänner 2009 auf diese Seite schaust, dann bin ich wirklich in Bangkok.
25. Jaenner 2009
Wenn Du in Muenchen ins Flugzeug steigst, bist Du der festen Ueberzeugung, noch alles im Griff zu haben. Fuenf Stunden spaeter, drei Stunden Zeitverschiebung spaeter, ist es in Dubai sieben Uhr frueh und zu Hause mitten in der Nacht. Du merkst, wie sich etwas in Deiner Seele verbeiszt wie ein kleines Huendchen mit einem faulen Zahn in Deinem Wadl. Und weitere sechs Stunden spaeter (weitere drei Stunden Zeitverschiebung spaeter) ist es in Bangkok am Abend und zu Hause wohl gerade erst Mittag geworden, aber das weiszt Du nicht mehr so genau, weil sich die Zeitlosigkeit Thailand2009_2bereits in Deinem Koerper ausgebreitet hat.
Khao San Road, laut und voller Menschen, und die nicht mehr fest zu machende Zeit vergeht wie im Flug. Im Donna Guesthouse, dem saubersten Tipp in ganz Banglampoo, ist kein Zimmer mehr frei. Die Dame aus einem anderen Guesthouse vermittelt und so laeufst Du um neun Uhr abends – zu Hause ist es vielleicht nachmittag, wenn die Zeit nicht auf Urlaub gefahren oder gar ganz verschwunden ist – hinter einem Thai durch die laermenden Massen und landest in einem nach Schimmel riechenden, feuchten, dunklen Abstellkammerl in der Kao San Road. Und es ist bereits egal, denn wenn einmal die Zeit abhanden gekommen ist, wird vieles nebensaechlich.
Immerhin – heute ziehe ich zu Donnas. Und zwar in genau ungefaehr wahrscheinlich einer Stunde. Werde dort mein schmerzendes jetlag-Koepflein auf ein sauberes Poelsterchen betten und sehr, sehr zufrieden sein…

Auf der Suche nach dem Glueck waere dies wohl ein Anhaltspunk: ein Platz, an dem Du gut schlafen kannst.

 

Thailand2009_326. Jänner 2009
Chris war so lieb und hat mir ein paar Umlaute sowie ein scharfes ß und ein Fragezeichen geschickt – DANKE! Sowas vergesse ich immer wieder zu Hause, das will einfach nicht in meinen Kopf! Das Zimmer bei Donna habe ich auch bekommen, cosy und vertraut.
Heute um sieben Uhr früh Tagwache, der Kurs fängt um halb neun Uhr an und ich bin mir nicht sicher, ob ich am morgen so schnell bin wie untertags. Dabei: viel schneller. Was zum einen daran liegt, dass die Khao San Road fast menschenleer ist um diese Zeit und man sich aufgrund der noch fehlenden Hitze UNGLAUBLICH schnell bewegen kann. Zum ersten Mal sehe ich, welche Geschäfte es hier gibt, wenn die vielen Stände (Mensch, bin ich stolz auf meine Umlaute!!!) noch nicht aufgebaut sind und die Sicht auf die Häuserfront verstellen.
Einziger Nachteil: es gibt auch noch keine Kaffeestandln. Ich schaffe ganze 150 Meter, bevor ich mit einem gegen Null gehenden Koffeingehalt im Blut in einen 7/11 falle und mich mit letzter Kraft zum Automaten schleppe. Ein ebenso morgenmuffeliger Amerikaner erklärt mir, dass der Beutel mit dem Kaffee zum Aufgießen ist und ich glaube diesen Wahnsinn, verschlafen wie ich bin. Mithilfe eines Plastiklöffels versuche ich in der Folge, den Beutel, der nun hilflos im heißen Wasser schwimmt, aufzuschlitzen und endlich zu meinem Kaffee zu kommen.

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Auch die Strandpiratinnen am Pier fehlen noch und so zahle ich für mein Schiffsticket genauso viel wie die Einheimischen und nicht um fünf Bhat mehr wie sonst. An Bord: Schulkinder, Geschäftsleute und Mönche. Die frühstücken übrigens nicht Kaffee, so wie ich, sondern vorzugsweise eine Fleischsuppe mit Reis und scharfen Sachen drin, SEHR scharfen Sachen, um genau zu sein oder einfach Reis mit in für mich sonderlich anmutenden Bröseln gebratenem Fleisch.
Im Übrigen bin ich ab heute für die durchgehende Beschiffung der Salzach von Oberndorf bis Elsbethen, mit Umstiegsstelle bei der Solstufe Lehen.
Mindestens drei Linien, eine davon Express, von Oberndorf ins Stadtzentrum in 30 Minuten. Nunja, ok, das geht sich mit der Lokalbahn auch aus. Fast. Aufgrund der wunderbaren Verkehrsanbindung bin ich also eine halbe Stunde zu früh in der Wat Po Massage School und habe für mein Gefühl tausend Jahre Zeit, mein Anmeldeformular auszufüllen.

Unsere Gruppe ist sehr bunt gemischt und wie üblich in meinem Leben merke ich mir mehr die Geschichten als die Namen. Also, da ist eine Masseurin aus England, ein Marketingtyp aus Canada, der einen Oberkörper wie ein Quarterback hat, aber nicht Football spielt, ein Thaiboxer aus Brasilien, zwei Französinnen, zwei Japanerinnen, eine davon mit einem extrem aufgeweckten Kleinkind, ein Mann, der aussieht wie ein Engländer, aber in Indien lebt, ein Typ aus San Francisco, und ja, ich habe jetzt sicher wen vergessen, aber es war ein bisschen viel heute!

Nach der theoretischen Einführung (bei der ich dauernd T-Shirt statt Teacher verstehe und auch sonst allerlei Missverständnisse auftauchen) werden wir in Teil eins der Thai Yoga Massage unterwiesen. Zuschauen, machen, hinlegen, Opfer spielen. Am Nachmittag liege ich dann, nach einem unglaublich scharfen Mittagessen mit viel Fleisch, halb schlafend auf meiner Matte, auf meinen Oberschenkeln tanzt eine zweijährige Japanerin herum und ein unglaublich kräftiger Brasilianer drückt auf meinen Armen herum und hat panische Angst, mir weh zu tun.

Folgende Vorurteile konnten also mit dem heutigen Tag bekräftigt werden: Französinnen treten immer nur zu zweit auf, Brasilianer haben viel mehr Angst, Frauen zu verletzen, als gemeinhin angenommen wird, japanische Kinder sind schlecht erzogen und Thai-Frauen bekommen im Alter keine Falten, sondern nur, wenn sie sich Sorgen machen (und Thai Yoga Massage unterrichten).

Folgendes konnte außerdem festgestellt werden: es ist ohnehin alles ganz anders und zunehmend schwieriger zu unterscheiden, wo das Fremde beginnt und somit vielleicht die Authentizität desselben. Und das war jetzt extra für Dich, lieber Stefan, und die Erkenntnis dieser Sache ist ein weiterer Schritt zum Glück. Und ja, Glück heißt für mich auch, gewisse Bestandteile meiner Sprache zur Verfügung zu haben, tausend Dank noch einmal, Chris!!!

Thailand2009_527. Jänner
Heute habe ich mehrere Dinge erkannt. Erstens: es ist nicht der 28., sondern der 27. Jänner. Zweitens: wenn Du glaubst, dass Du durch Hyperaktivität den Jetlag überlisten kannst, hast Du Dich geirrt, er kommt nämlich früher oder später doch. Drittens: wenn Du um ein Uhr morgens putzmunter bist und erst um vier wieder einschläfst, bist Du am nächsten Tag Matsch.

Um sieben Uhr klingelt der Wecker und ich falle aus den Wolken eines tiefen, unheimlichen Traumes. Die Klimaanlage ist aus, es hat sicher schon 28 Grad im Zimmer und ich fühle mich total erschlagen. Zwei Kaffee vom Burgerking – sorry, sorry, und das mir als Globalisierungsgegner!!! – helfen nicht. Kaffee hier kann man übrigens trinken, aber bitte keine Wiener oder Triestiner Kaffeehauskultur erwarten. Aber besser als in Alaska ist er allemal! Und da spreche ich aus bitterer Erfahrung…

 

Thailand2009_6Um neun versammeln wir uns im großen Schulungsraum und beten zu einem Gott, den ich nicht kenne. Oder vielleicht zu meinem Gott, in einer Sprache, die ich nicht verstehe? Vielleicht auch einfach zu dem Großen da draußen, das sonderbare und wunderbare Dinge mit uns anstellt. However, das Massieren klappt einfach besser, wenn Du vorher gebetet hast. Und der Tag gestaltet sich extrem intensiv. Ich stelle fest, dass ich wohl die Einzige bin, die sich an die Bekleidungsanweisungen von wegen kniebedeckt und ohne Ausschnitt und Schultern bedeckt gehalten hat und schwitze wie in der Sauna. Der Quarterback ist heute mit hautengem T-Shirt mit Flügeln drauf angereist, der wenig indisch aussehende Inder in einem babydoll-ähnlichen kurzen Höschen und weißem Shirt und eine der Französinnen in weißem Leinen mit breathtaking Ausschnitt. Ich Trottel schwitze in meinem extra erstandenen Langarmshirt.

Trotzdem, der Tag ist mehr als erkenntnisreich und nach sechs Massagen fühle ich mich wie die arme, kleine Uma Thurmann in Kill Bill 2, obwohl ich natürlich weder lebendig begraben werde, noch irgendwem die Augen raureißen muss, aber irgendwie spüre ich meine Knie nicht mehr, vor allem das operierte, und am Weg zum Boot überlege ich mir, ob ich jetzt einfach zur Endhaltestelle fahren soll und nachschauen, was da ist, Hauptsache nicht Thailand2009_11mehr gehen müssen.
Erkenntnisse, Teil zwei, nach einer eiskalten Dusche und einem großen Singha, das selbstverständlich nur der Schmerzbekämpfung dient: Schätze die Dinge, die Du beherrschst, respektiere die Dinge, die Du noch nicht beherrschst und erlaube Dir alles zu lernen, was Dich glücklich macht. Also, Leute, reißt die Instrumente an Euch, lernt singen, musizieren, fallschirmspringen und/oder tanzen, denn sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit Euch anzufangen!

28. Jänner
Tag drei, step 5 des Kurses.
Meine Knie krachen beim Aufstehen.
Morgen haben wir noch Zeit, zu üben, am Freitag ist die Prüfung.

Thailand2009_12Erkenntnis des gestrigen Abends: auch wenn Du eine Fremdsprache sehr, sehr gut sprichst, so fehlt es doch meistens an der Exaktheit der Begriffe. Ein befruchtendes, tiefgehendes Gespräch ist aber genau davon abhängig.

Erkenntnis Nummer zwei: selbst, wenn Du dieselbe Muttersprache wie Dein Gegenüber sprichst, ist nicht grantiert, dass es zu solch einem Gespräch kommt. Ok. Ich gebe es zu: das habe ich vorher schon gewusst 🙂

In Bangkok ist um sieben Uhr früh der Himmel blitzblau und binnen einer halben Stunde wird dann alles grau und trüb. Und schwül!
Ich habe gehört, dass es zu Hause schneit und bin total traurig, dass ich nicht dabei bin.

29. Jänner
Es ist kurz nach fünf Uhr am Nachmittag und das Tageswerk vollbracht: sechs Stunden Kurs, mit dem Schiff zurück nach Banglampoo, Wasser kaufen, duschen, Gwand waschen (im Massagekurs schwitze ich immer so, dass es eine Freude ist). Ich verstehe nicht, wie andere nun schon den vierten Tag mit demselben T-Shirt kommen. Meine Wäsche braucht immer einen Tag zum Trocknen.

Ich beobachte jeden Tag wieder mit Freude, wie der Verkehr auf dem Fluss, der übrigens Mae Nam Chao Phraya heißt und NICHT auf diesem Bild zu sehen ist, funktioniert. Da fahren Expressboote, für die man 13 Bhat pro Fahrt bezahlt, Regionalboote, die überall anlegen (9 Bhat), Fähren, die von einem Ufer zum anderen fahren, Touristenboote, Taxiboote, große Frachtschiffe, Schlepper mit kleinen Frachtschiffen im Schlepptau und allerlei kleine Boote. Und alles kreuz und quer! Und irgendwie geht es sich immer aus und irgendwie kommt man immer dorthin, wo man hinwollte. An den Anlegestellen wird dem Kapitän angepfiffen, wie er anlegen soll, dann steigen die Menschen ein und aus und weiter geht es. Der Pfeifer springt als letztes aufs Boot, meistens verdammt spät für meine Begriffe. Seit Tagen frage ich mich, wie es wohl bei Pier 30 aussieht, ich steige immer bei 15 aus. Morgen werde ich einfach sitzen bleiben und bis zur Endhaltestelle fahren.

Die zeitliche Verwirrung hat sich noch immer nicht gelegt. Hinzu kommt eine massive finanzielle Verwirrung. Ich habe, seit ich hier bin, 8500 Bhat abgehoben, was mir UNHEIMLICH viel vorkommt. Es sind knapp 200 Euro. Mit diesem Geld bin ich vom Flughafen nach Banglampoo gefahren, habe mein Zimmer fuer acht Tage bezahlt, habe gegessen und getrunken, verbringe jeden Tag über eine Stunde im Internet, habe mir zwei Sommerhosen und zwei LANGARM-T-Shirts gekauft, esse zwischendrin noch Obst und fahre mit dem Boot. Irgendwie dann gar nicht viel. Aber man wird verwirrt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man für ein T-Shirt nicht mehr als 100 Bhat ausgeben will. 450 Bhat sind ca. zehn Euro. Das ist sehr, sehr strange.
Die Sprache ist auch sehr strange. Und auch das Englisch, dass die Thai sprechen. Zum Beispiel, wenn man zu schnell ist beim Massieren, dann sagen sie s-H-low. Wie die Italiener fügen sie manchmal Buchstaben ein, damit sie sich leichter tun und wir finden das dann unglaublich süß.
Wusstet Ihr, dass das am meisten verwendete Sonderzeichen in der deutschen Sprache das ü gefolgt vom ä ist? Ist mir gerade aufgefallen, weil ich ja jeden Umlaut aus Chrissens Liste mit copy and paste nehme. Eine Kleinigkeit im Angesicht der Ewigkeit! Apropos Sprache und so: der vermeintliche Inder, da muss ich wohl was falsch verstanden haben bei der Vorstellungsrunde, sein Englisch ist so schlecht… er ist DEUTSCHER! Tja. Und sowas entdeckt man dann nach vier Tagen. Wir beide wurden heute im Kurs interviewt, für Spiegel online. Mit Fotos. Und da habe ich dann bemerkt, dass er kein Inder ist *kicher*

Paola aus Italien zu massieren ist super, die ist ganz klein und zart. Jack aus Irland ist wieder nicht so einfach, der Mann hat gute 120 Kilo und wird nur noch Ninja-Jack genannt, weil er schwitzt wie ein Esel und aus diesem Grund ein Stirnband trägt. Das Japanerkind spricht immer mit mir und ich rede dann in meiner Sprache zurück, weil sie mich so und anders nicht versteht, weder auf deutsch, noch auf englisch, noch auf österreichisch. Und es tut unheimlich gut, die eigene Sprache zu hören.

Erkenntnisse des heutigen Tages: Viel Neues erleben oder viel Neues lernen setzt das Gehirn in Bewegung und das bedeutet, dass man darüber sprechen muss.

Der schlimme fünfte Tag (gestern) war mit grauenhaftem Heimweh und unstillbarer Lust auf fein geschnittenen Speck, Schwarzbrot und Stiegl Bier der entsetzlichste Tag, den ich seit Langem auf Reisen erlebt habe, die fünften Tage sind aber gemeinhin entsetzlich, egal wo und mit wem man sich befindet.

Nicht alle Menschen sind fröhlich, obwohl sie aus Europa kommend und sich ein solche Reise finanzierend allen Grund dazu hätten. Offenbar bin ich aber mit dieser Freude gesegnet, Tag fünf oder nicht, es fällt mir aber meistens nicht mehr auf. Thanx for the happiness, kann ich da nur sagen. It’s a gift.

Thailand2009_930. Jänner
Heute ist Freitag, das merkt man an der noch größeren Anzahl an Marktfahrern, die sich in den frühen Morgenstunden entlang der Khao San Road einfinden. Auf dem Weg zum Pier komme ich jeden Tag an einer Schule vorbei und auch heute, so wie schon die ganze Woche, versammeln sich um acht Uhr früh ungefähr 400 Schulkinder – dunkelblauer Faltenrock oder kurze Hose – im Schulhof und machen dort Morgensport. Zu einer extrem sonderbar anmutenden Pling-pling-Musik unter der Anweisung einer ältlichen Lehrerin, die in ein Mikrofon spricht und der kein Grinsen auskommt. Sie erinnert mich ein wenig an die Brusseliese auf Pippi Langstrumpf. Heute ist es schon am Morgen bewölkt und unglaublich schwül.

Der Vormittag wird noch einmal mit Üben verbracht, und zwar an den Teilnehmern des Kurses, der am Dienstag begonnen hat. Alle sind Thai und finden es unglaublich witzig, von uns massiert zu werden. Ich habe eine Riesenpanik, die sehr kleine Frau, die mir zugeteilt worden ist, zu zerdrücken, sie wiegt ungefähr vierzig Kilo und ist sehr, sehr klein. Als ich die zweite der zwei Massagelinien am Rücken suche, ist da schon das Schulterblatt – wie soll das auch anders sein bei jemandem, dessen Rücken grade mal zwei Hand breit ist?????

Nach dem Mittagessen kommt der Prüfer und er erinnert mich an die Lehrerin im Schulhof, ebenfalls kein Grinsen. Ich kollabiere fast vor Prüfungsangst und bin sowas von froh, dass mir Bob aus Taiwan zugeteilt wird, den habe ich nämlich schon massiert und das gibt irgendwie Vertrauen. Außerdem ist neben mir der Nicht-Quarterback und der scheint alles zu wissen. Was sich zwar als falsch entpuppt, aber was solls, ich glaube, ich überzeuge im Theorieteil, denn bei meinem Heruntersagen all der Does and don’ts zieht der Prüfer die Augenbrauen hoch. Vielleicht ist aber auch mein Englisch so schlecht… However: GESCHAFFT.

Jetzt bin ich aber froh. Es werden noch tausend Fotos gemacht, email-Adressen ausgetauscht, ich bekomme eine Einladung zum Gleitschirmfliegen nach Brasilien und eine zum Kaffeetrinken nach Triest und dann zerstreut uns das Schicksal in alle Himmelsrichtungen. Mit unseren schicken blauen Umhängetaschen, die wir von der Schule bekommen haben, mit den goldenen Zertifikaten drin. Zumindest kommen sie uns golden vor! Ich muss meines gleich dem netten Guesthouse-Mann zeigen und er findet das auch sehr super.

Und weil der Schicksalswind oft nicht ganz so stark ist, dass er alle, alle in alle Himmelsrichtungen verblasen kann, treffen sich nun ein paar, die nicht voneinander lassen können, bei Ranee’s und ich werde jetzt aufhören, damit ich nicht viel zu spät komme…

Ich bin heute NICHT zur Endhaltestelle gefahren! Das folgt! Ich muss wissen, was dort ist. Für heute eine kleine Erkenntnis, die doch irgendwie groß ist: fürchte Dich nicht.

Thailand2009_13NACHTRAG
Wir feiern unseren Abschluss bei Ranee’s und dort tauchen neue sprachliche Ungeheurlichkeiten auf: nach dem Hin- und Herübersetzen einer Geschichte, die Leonardo erzählt hat, der portugiesisch und Thai Englisch spricht, von zwei Französinnen, die mäßig englisch sprechen, eine von ihnen aber des Polnischen mächtig ist, was in diesem Zusammenhang gar nichts geholfen hat, ergab sich folgende Erkenntnis. Leonardo ist ein Thaiboxer aus Brasilien (das stimmt) und hat als besten Freund einen Tiger, den er mit ladyboys füttert, während die Lieblingsbeschäftigung von Cathie und ihrer Freundin der Besuch von Ping-Pong-Shows ist. Nachdem die drei einander anschauen, als wäre ein Zug durch den Gastgarten gefahren, füge ich dieser Sache nichts weiter hinzu, erstens, weil es noch mehr Verwirrung gestiftet hätte, zweitens, weil ich vor Lachen fast vom Sessel falle.
Nunja. Ich frage mich, ob nicht doch die Weltsprache Esperanto sinnvoll wäre, spricht das eigentlich hier jemand? Auf der anderen Seite, so viel Spaß mit sprachlichen Verwirrungen wie gestern hatte ich lange nicht mehr… mit Esperanto wäre mir das entgangen 😉

Zum Schluss noch: Leonardo ist in den Augen der Thai ein kleiner Supers-a-tar (hier wird ein a eingeschoben…) und es gibt auch eine Fanseite – die will ich nicht vorenthalten!

Leonardo Livio

1. Februar 2009, Bangkok, 30 Grad

Die Thai finden es angenehm kühl und erzählen, dass es im März und April RICHTIG heiß wird. Gestern sind wir, Sabina (meine liebe Kusine, die für ein paar Tage in Bangkok ist, bevor es nach Bali weitergeht) und ich, den ganzen Nachmittag mit dem Boot gefahren. Zuerst ans Ende der Welt, wo es ganz anders aussieht, wie ich mir vorgestellt habe. Also: die letzte Haltestelle im Raum Bangkok ist untouristisch, es gibt dort eine Medical Clinic und die vielen kleinen Linienboote, die mit Blumen geschmückt sind so wie auch Tuk Tuks, Lastwagen oder Busse, legen dort an. Es ist sozusagen die Remise, aber ohne Dach. Das Boot dreht einfach mitten am Fluss um und wenn es weiterfahren würde, würden wir irgendwann am Meer ankommen. Zwischen Banglampoo und dem Ende der Welt sind Wohnsiedlungen, Industriegebiete, unzählinge wunderschöne kleine Tempel und Pfahlbauten aneinandergereiht. Die kleinen Häuser auf den Holzpfählen sind abenteuerlich gebaut, dazwischen Strommasten, die im Wasser stehen. Von Banglampoo in die andere Richtung kommt man nach fünf Stationen zum Wat Po Tempel und nach einigen weiteren ins Stadtzentrum mit gigantischen Hochhäusern, dem Skytrain und unglaublich vielen Menschen. Wir steigen in Chinatown aus und ich spaziere zum Bahnhof, um mir mein Ticket nach Chaing Mai zu kaufen. Spazierende Touristen sind etwas unannehmbares für die Unzahl geschäftstüchtiger Tuk Tuk Fahrer und hätte ich auf meinem Weg zum Bahnhof alle Aufforderungen, ein Tuk Tuk zu nehmen, angenommen, dann könnte ich vermutlich Tuk Tuk fahren bis ans Ende der Welt. Und da war ich heute ja schon.

Auf der Heimfahrt vom Bahnhof schaue ich dann mein Ticket voller Freude zum sechsten Mal an und entdecke, dass der verschlafene Ticketverkäufer mich in einem Männerabteil untergebracht hat. Na super. Morgen nochmal hin und das abklären. Morgen von heute weg, denn heute war ich den ganzen Tag am Chatachan Market, wie ich auch immer man das richtig schreibt. Ungefähr eine Million Menschen schiebt eine andere Million Menschen durch die engen Gänge des Marktes, es gibt ALLES. Schmuck, Jeans, Kleidung, Räucherwerk, Geschirr, Pflanzen, alles, alles, alles. Nach einigen Stunden ist der menschliche Geist wohl nicht mehr aufnahmefähig, zumindest meiner nicht mehr und ich will nicht einmal mehr handeln. Was kein Mensch versteht in Thailand. Beim Kauf eines Fußketterls lässt mir der Händler von sich aus etwas nach, weil er es nicht fassen kann, dass ich den vollen Preis (39 Bhat) ohne Widerspruch bezahlen wollte. Morgen also noch einmal Dinge erledigen. Am Dienstag mit dem Nachtzug nach Chiang Mai. Ich bin gespannt. Dort oben soll es ja so schrecklich kalt sein, hat mir die Dame, bei der ich heute meine dreads reparieren lasse, gestern erzählt. 15 Grad in der Nacht, man muss sich sehr warm anziehen!!! Ich werde die Warnungen der sehr netten Dame ernst nehmen und meinen Winterpullover mitnehmen!

Thailand2009_15In Thailand erfüllen sich gewöhnlich meine Alpträume. Als ich während des Studiums Taxi gefahren bin, hat mich folgender Alptraum verfolgt: ich bekomme einen Funkauftrag, fahre zum Gasthaus, gehe hinein und sage, dass das Taxi da ist. Vier Personen gehen mit mir hinaus und dort steht anstatt meines Taxis nur noch mein Motorrad. In Thailand wird das so gemacht. Mutter und Vater auf dem Motorroller, dazwischen zwei Kinder im Volksschulalter, vorne am Tag ein Zweijähriger. Zwanzig Touristen mit Gepäck auf der Ladefläche eines Kleinstlastwagens. Zwei Tramper mit großen Rucksäcken auf einem Motorroller, mit dem Fahrer natürlich. Und gestern hat sich mein Rettungssanitäteralptraum erfüllt. Notfall in der Khao San Road. Bevor der Krankenwagen, ein umgebauter Nissan Kastenwagen ankommt, sausen Notarzt und Sanitäter auf dem MOFA daher. Notfalltasche umgehängt. Ich sitze mit offenem Mund in einer Cocktailbar und beobachte das Geschehen, während eine kontaktsuchende, blasse Belgierin mir immer wieder erzählt, dass ‚my husband is with the paramedics‘, ‚my husband was living in Thailand for two years‘ und dass ‚my husband and I will come back to Thailand next year to live here‘.

 

Thailand2009_14Ja, das ist eh schön für uns alle.

Erkenntnisse.
Am Ende der Welt befinden sich ein Uhrturm und eine Klinik.
Ein Zugticket kontrolliert man gleich am Bahnhof sorgfältig.
Solange man sich in Alpträumen ausschließlich mit dem Straßenverkehr auseinandersetzt, sind diese harmlos.
Wer sich ein Tuk Tuk kaufen möchte, sollte sich auf dieser Seite umsehen:
www.tuktukbangkok.com

 

 

 

Thailand2009_162. Februar
In Europa ist noch tiefste Nacht und Ihr werdet wohl noch alle den Gedanken Eurer Polster lauschen. Hier tobt das Alltagsleben in vollem Tempo. Es ist bewölkt und sehr, sehr schwül.

Gestern Abend: Friseurbesuch, die Ansätze der dreads sauber nacharbeiten und die Extensions wieder gut anarbeiten, die paar, die noch übrig sind und nicht beim Fallschirmspringen oder Motorradfahren irgendwo in die Landschaft abgefallen sind…

Der Friseur setzt seine Kunden auf ein sehr kleines Stühlchen (ich sage nur Mammut, liebe Alexandra!!!) an der Straße und beginnt zu arbeiten. Die Khao San Road aus der Höhe eines Zweijährigen, geschützt hinter Ständern mit Beispielen, was man hier alles kann (Zöpfchen, Dreads, Haarverlängerung in allen Farben), wirkt viel weniger hektisch als aus der Sicht eines großen Menschen. Ich sehe, welch unpassendes Schuhwerk die Menschen tragen, wie sehr ihnen dadurch die Füße weh tun, ich sehe tausend Unterschenkelsonnenbrände und werde von den Kleinkinern, die nicht betäubt von der Hitze in ihren Kinderwägen schlafen, freundlich gegrüßt. Einer bietet mir Pommes an. Außerdem bin ich nun auf etlichen Urlaubsfotos und Urlaubsvideos verewigt und spüre erstmals am eigenen Leib, wie super das ist, wenn Du einfach fotografiert wirst ohne dass man Dich fragt, ob Dich das stört.

Wer sehr höflich fragt, ob er ein Foto machen darf, ist ein Student, der ein Interview machen möchte. Zum Thema, was Thailand im Tourismus verbessern kann. Leider versteht er das, was ich sagen wollte, nicht. Er hat seine Fragen auf einen Zettel geschrieben, offenbar von jemand anderem übersetzt, und versucht, diese richtig und ernsthaft vorzulesen. Ich mag auch wieder studieren!!!

Für heute noch keine Erkenntnisse, der Tag ist noch zu jung. Jetzt Bahnhof, dann little India, den Stoff für Mama kaufen, dann Erkenntnisse.

Dann

Little India, Soi 1, hier gibt es alles!!! Und zwar noch mehr alles als am Chatachack Market, auf noch engerem Raum. Zuckersachen in allen Farben und Formen, Stoffe, von indisch bis chinesisch, Essen, Trinken, falscher Goldschmuck, echter Goldschmuck, Fisch, Plastikschmuck, alles bunt gemischt auf einer überdachten Marktfläche in der Größe eines Flughafens. Ich verzweifle fast vor Menschen und Sachen und eng und heiß und mein einziger Trost ist, wie so oft, dass ich wenigstens größer bin als alle anderen. Nach gut zweieinhalb Stunden spuckt mich der Markt an einer völlig anderen Stelle wieder aus, als die, an der ich ihn betreten habe, und ich habe ernsthafte Schwierigkeiten, mich zu orientieren. Irgendwann lande ich in einem klimatisierten Einkaufszentrum und esse dort mit abhängenden Thaikids Thai Fast Food. Gottseidank, wenigstens ist es kalt.

Stunden später bin ich wieder am Boot und stelle fest, dass ich zwar das Gefühl habe, als sei ich durch einen Fleischwolf des Denkens gedreht worden, aber immerhin habe ich alles erledigt, was ich wollte. Zugticket klar, Stoff gekauft, auf einem Turm gewesen, der meine Höhenangst beflügelt hat aber eine wunderbare Aussicht auf den Wat Po ermöglicht hat, Massageutensilien eingekauft, fertig.

Jetzt möchte ich, dass in der Bar gegenüber dieselbe Band spielt wie gestern, ein ACDC-Verschnitt auf Thai, der Sänger hätte Bon Scott alle Ehre gemacht, und wenn das nicht geht, würde ich gerne mit Silvia ein bisschen Gitarre spielen, zum Beispiel Creedance Clearwater Revival.

Ok. Dann eben nicht.

Erkenntnisse.
Man kann nicht immer haben, was man sich wünscht.
Manchmal hilft es auf dem Weg zur Entwicklung, wenn man nicht immer bekommt, was man sich wünscht.
Manchmal nicht.

Thailand2009_204. Februar
Schon mal versucht, in Thailand einen Korkenzieher zu bekommen?
Na dann viel Glück!

Aber, am besten alles von Anfang an: Nach einem sehr beschaulichen Tag in Bangkok besteige ich den Zug nach Chiang Mai, 19.30 ab Bangkok. Da die erste Klasse voll war, habe ich eine Flasche Wein mitgebracht und einen Korkenzieher, war nicht einfach zu bekommen! Ich habe in Bangkok vier Tage danach gesucht.

Der Zug fährt mit gut einer Stunde Verspätung los, ich kann mir noch nicht recht vorstellen, wie das funktionieren soll mit dem Schlafen. Aber nach etwa einer halben Stunde Fahrt kommt ein schick Uniformierter (bei der Bahn sind ALLE uniformiert. Zum Ticketabzwicken kommt ein Ticketabzwicker in blauer Uniform, ein Mann, der notiert, wer wie weit fährt, Uniform mit viel Gold und ein braun Uniformierter mit Waffe), sperrt die überdimensionierten Gepäckfächer über unseren Köpfen auf, klappt sie herunter und siehe da: hier ist mein Bett. Der Mann überzieht die Matratze, den Kopfpolster und legt eine verpackte Decke bereit. Ich schaue ihm, zur Belustigung der anwesenden Thai, mit offenem Mund zu.

Thailand2009_21Dann schlüpft jeder in sein frisches Bett, ein Vorhang wird vorgehängt und da sitze ich nun, sehe aus dem Augenwinkel einer Kakerlake beim Flüchten zu und möchte meine Weinflasche öffnen. Wenn schon nicht erste Klasse, kakerlakenlos. Und beim ersten Dreher bricht der Korkenzieher ab!

Ich habe dann trotzdem gut geschlafen in meinem auf Thai-Größe abgestimmten Bettchen, mit Kopf und Zehen fest verklemmt, und war durch das Schütteln des Zuges so müde, dass mir die Kakerlake, die immer wieder auf meinem Vorhang auftauchte, irgendwann egal war…

Das mit dem Zug ist nun also so… ich habe das Glück, dass am Wochenende Blumenfest in Chiang Mai ist, das weltberühmte Blumenfest!!! Und darum sind alle Züge ausgebucht. Also gibt es auch zurück keine erste Klasse… und ich werde es wieder versuchen, mit meiner Flasche 😉

Chiang Mai erforsche ich mit dem Fahrrad. Linksverkehr mit meinem Glück verträgt sich nicht mit Fahrzeugen motorisierter Bauart, außerdem habe ich eh meinen Führerschein zu Hause vergesen. Da wusste eine Kraft von oben, was gut für mich ist. Heute also bereits vier Stunden unterwegs, die sehr berühmten Tempel Wat Chedi Luang und Wat Phra Sing besichtigt und einmal um die Innenstadt gefahren, was sehr einfach ist, weil man nur Thailand2009_23den alten Befestigungsgraben entlang fahren muss. Der Verkehr ist atemberaubend, sehr viele Einbahnen. Fahrradfahren ist absolut hipp, zumindest unter den Touristen und an jeder Straßenecke werden Touren angeboten. Problem ist nur, die Touren, die mich interessieren, raus aus der Stadt, interessieren sonst niemanden und mit einem allein machen sie es nicht. Also werde ich morgen allein losfahren, die Frage ist nur, in welche Richtung?
Erkenntisse
Zwanzig Minuten im Tempel knien macht gleich viel Schmerzen wie eine ganze Thai Massage. Diese Tastatur ermöglicht die Erforschung der Tramper-Esskultur in Chiang Mai der vergangenen sechs Jahre. Wenn man aus Fulpmes nicht mehr nach Hause findet, wird man so vorsichtig, dass man den Weg aus Chiang Mai gerne vorher plant.

5. Feburar, Chiang Mai
Der Doi Suthep ist ein 1676 Meter hoher Berg 16 Kilometer nordwestlich von Chiang Mai. Fast am Gipfel befindet sich der unglaublich berühmte Wat Phra That Doi Suthep und noch faster am Gipfel der Königliche Palast.

Thailand2009_24Entgegen der Meinung der Autorin läßt sich die Strecke vom Ortsende Chiang Mais bis zum Tempel nicht mit einem Ein-Gang-Mietfahrrad bewältigen und entgegen der Meinung von Insidern, die die Autorin beraten haben, ist es ein wenig mehr als 15 Minuten, die bergauf zu fahren sind. Aber besser: alles der Reihe nach. Nach dem Verlassen des Hotels, Einchecken im Smile Guesthouse (MIT POOL) und Organisieren eines neuen Leihfahrrades ist es später Vormittag geworden. Ich stürze mich in den Stadtverkehr Chiang Mais, man stelle sich vor, eine Stadt mit gleich viel Einwohnern wie Salzburg und KEIN öffentlicher Nahverkehr, das heißt, dass ALLE mit dem Auto oder Moped fahren. Alle, bis auch mich, denn ich bin weit und breit die einzige Radfahrerin, die sich auf der sechsspurigen Ausfallstraße Richtung Stadtende bewegt.

Nach etwas über einer Stunde dichtem Stadtverkehr komme ich beim Chiang Mai Zoo an und von dort aus geht es bergauf. Serpentinen. Eine, zwei, drei, achthundert? Ich radle und radle und radle, im Sitzen, im Stehen, manchmal ist die Strecke so steil, dass ich schieben muss. Nach etwa zwei Stunden kommt ein Schild, das sagt, dass es noch acht Kilometer bis zum Tempel sind und ich erst vier gefahren bin und ich verzweifle ein wenig. Meine Wasserreserven, eineinhalb Liter, habe ich dem Glauben, dass es eh nicht weit ist (Insidertipp) bereits verbraucht und so schiebe ich rotbackig Thailand2009_25mein Rad tapfer weiter.

Ein ältlicher Däne, der Angst um meine Gesundheit hat, bleibt mit seinem Mofa stehen und fragt, ob ich mitfahren will! So schnell hat der noch nie jemanden sein Fahrrad an einen Baum sperren sehen und schon sitze ich am Mofa. Und los. Aus der Perspektive eines Mofafahrers sind acht Kilometer ja ein Klaks und die restlichen vier Kilometer bis zum Königspalast nicht der Rede wert! Der Königspalast ist wunderbar, besser gesagt, der Park des Palastes ist wunderbar, in den Palast darf man ja nicht hinein, weil es ja noch immer einen König gibt und der scheint auch immer wieder mal hier zu sein.

Der Tempel ist offenbar einer der heiligsten, denn es sind Unmengen Menschen da, um zu beten. 306 Stufen führen vom Parkplatz hinauf, dann muss man gleich mal seine Schuhe ausziehen, um ins Tempelgelände gehen zu dürfen. Hendrik, der Däne, der Golfprofi ist, seit über 30 Jahren nach Thailand kommt und noch nichts außer Golfplätzen gesehen hat, wird angehalten und eine kleine Dame zwängt ihn in eine lange Hose. Nix Shorts im Thailand2009_26Tempel!

Ich gehe ein paar Runden um das Heiligtum, mit Blumen, Räucherstäbchen und Kerzen. Ich weiß nicht, was die anderen beten, ich bete Rosenkranz, das passt sicher auch gut. Dann gehe ich, neugierig, wie ich bin, in einen dunklen Raum. In dem sitzt ein sehr strenger Mönch und deutet, dass ich auf die Knie gehen muss. Dann beginnt er, alle Anwesenden zu segnen, mit Unmengen heiligem Wasser besprüht er uns und betet dazu. Dann wirft er den Knieenden weiße Bändchen, die er während des Betens knüpft, zu. Ich muss dermaßen verwirrt aussehen, dass er fragt, woher ich komme und mir dann erklärt, dass mir dieses Band Glück für den Rest meines Lebens bringt. Das ist super!

Nun ist es später Nachmittag und wir machen uns auf die Suche nach meinem Fahrrad. Das tatsächlich immer noch dort steht, an seinem Baum, zwischen Kilometer sieben und acht. Beim Zurückradeln bleibe ich noch bei einem Wasserfall stehen, es gibt unzählige entlang der Straße, die alle zum Doi Suthep National Park gehören. Und als ich unten bin beim Zoo realisiere ich, dass es auch vorher schon nur bergauf gegangen ist, denn ohne einen einzigen Treter rolle ich bis zum Ortsanfang von Chiang Mai zurück.

Unglaublich müde jetzt.
Ein wunderbarer Tag.

6. Februar

Der Huay Teung Thao Reservoir ist ein Stausee, etwa zehn Kilometer außerhalb von Chiang Mai. Entgegen erster Aussagen des Reiseführers findet die Anreise nicht auf einem beschaulichen Radweg entlang eines Kanals statt, sondern auf der dreispurigen Ausfallstraße. Der Radweg wird wohl erst gebaut… vielleicht ist das Exemplar des Lonely Planet durch widrige Umstände aus der Zukunft in meine Hände geraten. Oder, was viel schlimmer wäre, am Ende stimmt es wirklich, dass viele Autoren des Lonely Planet gar nicht in den Ländern waren, über die sie schreiben. Wie wir gehört haben in der Luger-Vorlesung am 15. Jänner. Was mich zurück bringt zur Ausgangsfrage, die ebenfalls dieser Vorlesung entsprungen ist, die Frage nach der Authentizität. Wenn man unter mindestens acht Millionen Mofafahrern der einzige Radfahrer ist, verändert man dann das Geschehen um sich herum bereits so stark, dass es nicht mehr authentisch ist oder verändert man das Geschehen in eine Richtung, in die es ohnehin gehen muss, früher oder später?

Thailand2009_29Der Stausee kommt und kommt nicht und um mich herum rauschen die Autos. Endlich entdecke ich einen kleinen Feldweg, der neben der Straße weggeht und biege in den ein. Staubig, aber wesentlich bequemer als die Hauptstraße. Der Stausee ist sehr weit vor Chiang Mai und wohl ein sehr bekanntes Naherholungsgebiet, einzig, um diese Jahreszeit naherholt da keiner. Ich bin fast ganz allein. Ein paar Fischer sitzen am Ufer, ein paar Menschen, langärmelig und mit langen Hosen (eh klar, es hat ja nur zwanzig Grad, für mich gefühlte vierzig) sitzen im Schatten und essen. Ich umrunde den See, am nordwestlichen Ufer geht es hinaus in die Landschaft, flach und mit Reis bebaut, im Norden ist der große Berg. Ich denke mir, wie cool das wäre, hinaus in die Landschaft zu fahren, immer weiter, aber das ist wohl mit dem Eingangfahrrad keine gute Idee.

 

 

 

Thailand2009_30Rund um den See ist alles satt und grün, Reis, Bananen und Gemüse, das ich nicht kenne. Die Luft ist klar. Und wie gestern ist der Weg zurück – nach einer ausführlichen Rast am See – nur noch bergab und es ist viel leichter als die Hinfahrt. Außerdem komme ich am Weg an einem wunderbaren Cafe vorbei, in dem sich die Thai wieder einmal krumm lachen, dass da jemand mit dem Radl kommt. Aber es gibt weltklasse Cappuccino und Passion Fruit Soda.

Nachtrag

Das Frühstück habe ich in einem von einem übergewichtigen Australier geführten Cafe eingenommen, das Pirats Cove (Piratenhöhle) heißt. Der einzige Mensch, der im Umkreis von 20 Kilometern aber aussieht wie ein Pirat, bin ich.

 

Nachtrag 2

Die Welt ist sehr, sehr klein.
Am Abend treffe ich Paola aus dem Massagekurs auf dem weltberühmten Blumenfest. Paola, die aus Triest kommt, der einzigen Stadt, für die ich zur Monarchistin werden könnte. Warum haben wir Triest hergegeben und WIEN behalten? Dieses grauenhafte, riesige Wien, in dem alle mieselsüchtig sind und man einen Tiroler so wenig versteht wie in Barcelona? Triest wäre eine Option gewesen. Und Wien? Den Ungarn lassen? Oder den Slowaken?

Egal. Ich treffe auf dem Blumenfest in Chiang Mai Paola, die aus der mir liebsten Stadt außer Salzburg kommt und das ist Grund genug, in einer Rock’n’Roll-Bar zu sitzen bis die alles gespielt haben, was wir wollten…

Hotel California. Ich liebe Passion Fruit Juice. Ich liebe es, mit der Eisenbahn zu reisen. Ich finde es in Ordnung, dass Thai mich am Telefon nicht verstehen. Ich freue mich auf zu Hause. Himmel, da ist etwas geschehen.

Thailand2009_327. Februar

Früh aufstehen ist angesagt, denn die Blumenfest-Parade startet um 8.00 Uhr. Tausende Menschen säumen die Straße, alle mit Fotoapparaten und Videokameras bewaffnet. Das Blumenfest gibt es erst seit 33 Jahren, jedes Jahr wird eine Blumenkönigin gewählt und der Höhepunkt des Festes ist die Parade, auf der sich sowohl die verschiedenen Stadtteile Chiang Mais als auch die Dörfer der Provinz präsentieren. Ein bunter Mix also, aus Blasmusikgruppen der verschiedenen Colleges, die von Abba bis Deep Purple so ziemlich alles spielen, was man jemals von einer Blasmusik hören wollte…
Zwischen den einzelnen Paradeteilnehmern wird immer hübsch viel Platz gelassen, damit die Musiken sich nicht überschneiden und so zieht sich die Parade vom Bahnhof die ganze Hauptstraße entlang bis zum Stadtpark – eine Strecke, für die ich zu Fuß etwa eine Stunde gebraucht habe!

In vier Stunden – wenn alles klappt – fährt mein Zug nach Bangkok. Paola hat erzählt, dass ihrer auf der Fahrt nach Chiang Mai acht Stunden Verspätung gesammelt hat… Ich werde mich wohl noch mit ein wenig Jause eindecken…

8. Februar
Das traditionelle Thai-Haus ist ein Pfahlbau, denn früher, also bis ins 19. Jahrhundert, wurde in Thailand prinzipiell am Wasser gebaut, an Flüssen oder an deren Nebenkanälen. Das Erdgeschoß lag auf Wasserhöhe – es gab bei den meisten Häusern Bootsanlegestellen – und bestand nur aus einem Empfangsraum. In diesem musste man sich die Schuhe ausziehen, wie es in traditionellen Haushalten auch heute noch der Fall ist, erst dann durfte man in den Wohnbereich hinauf. Ein traditionelles Thaihaus ist spärlich möbliert, gegessen wurde am Boden, im Kreis sitzend. Darum wurde auf extreme Sauberkeit und das Schuhe ausziehen auch soviel Wert gelegt.

Woher ich das alles weiß?
Nun, ich war heute in Jim Thompsons Haus!
Jim Thompson war ein amerikanischer Architekt, 1906 geboren, den es im Zweiten Weltkrieg nach Asien verschlug. Er verliebte sich in Thailand (in das Land!), entschloss sich hier zu leben und entdeckte bald die Qualität der thailändischen Seide.

Thailand hat es wohl Jim Thompson zu verdanken, dass seine Seide überall auf der Welt berühmt wurde, denn er brachte den Export mit den wertvollen Stoffen, zum Teil mit eigenen Designs versehen, zum Erblühen. Der sehr kunst- und kulturinteressierte Mann legte sich eine große Sammlung an Wertobjekten und Kunstgegenständen zu und ließ sich in Bangkok ein Haus errichten, dass außen im klassischen Thai-Stil gehalten ist, innen aber eine Mischung aus mehreren asiatischen und der europäischen Kultur darstellt. Das Haus wurde ganau genommen aus fünf alten Häusern zusammengesetzt. Und weil sich dort Kunstobjekte aus zehn Jahrhunderten (!) befinden und dies von der Bangkoker Kunstszene sehr geschätzt wurde, öffnete Thompson sein Haus noch zu Lebzeiten der Öffentlichkeit. Denn der arme Mann verschwand 1967 auf einer Malaysia-Reise spurlos beim Spazierengehen.

Eine tolle Geschichte, finde ich und sitze jetzt in der Israeli-Connection, die die Hinterhöfe (mit dem Muay Thai Boxring und den Schneidereien) mit der Khao San Road verbindet. Man kann entweder einfach als Abkürzung durchgehen oder aber hier ein Bier trinken, israelisch essen oder gratis internetten…

Mein Zimmer bei Donna war trotz telefonischer Reservierung für mich frei und mein zurückgelassenes Gepäck ist auch noch da, was für ein wunderbarer Tag! Das liegt sicher an dem segensreichen weißen Armband, das ich hüte wie meinen Augapfel.

9. Februar, Bangkok, acht Uhr früh
Schon mal versucht, in Bangkok ein Paar Turnschuhe mit fester Sohle, Größe 40, zu bekommen? Na dann, viel Glück!

Draußen vor dem Internetcafe verbrennt ein kleiner Bub goldene Papierschiffchen in einer Metalltonne und sie spielen Elton John und ich krieg‘ den blues. Nicht, dass mir Elton John regelmäßig das Herz aus dem Leib reißt, das gelingt nur den Querschlägern, aber sie spielen dieses Lied, dass dann Lady Dianas Lied wurde und ich muss daran denken, dass das MEINE ERSTE REISE ALLEIN war, in dem Jahr, in dem Prinz Charles und Lady Diana geheiratet haben. Es war 1981, ich war dreizehn und bei einer Gastfamilie in England und zu Hause habe ich immer noch die Tasse mit Lady Diana und Prinz Charles als Hochzeitspaar drauf. Und nun bin ich schon so viele Jahre immer wieder allein auf Reisen und denke mit viel Kummer daran, dass ich wohl der einzige Mensch bin, der eine Tasse länger behalten kann als seine Reisepartner!

Heute muss ein sehr hoher buddhistischer Feiertag sein, denn als ich in der Wat Po Massage School ankomme, stauen sich vor dem Tempel die Menschenmassen. Ich muss mein oranges Wat Po T-Shirt abholen, das war letztes Mal aus. Und dann in den City Wat gegenüber vom Wat Po. Dort war es vergangenes Jahr sehr, sehr beschaulich und wir waren fast allein dort. Heute aber: buddhistischer Feiertag. Ich erstehe das klassische Klein-Opfer, bestehend aus einer gelben und einer weißen Blume, drei Räucherstäbchen und einer kleinen, gelben Kerze. Wer wann und warum wie große Opfer bringt, ist mir absolut schleierhaft, denn es gibt Menschen, die kommen auch nur mit so einer kleinen Gabe, andere wiederum bringen ganze Teller voll Blüten, Blumenkränze oder Körbe voll mit Blumen und Lebensmitteln und Räucherwerk. Da diesmal so viele Menschen da sind, scheint es eine bestimmte Ordnung zu geben (wahrscheinlich gibt es die immer, nur habe ich das bisher nicht gecheckt!), wo und wann man seine Gaben abgibt, betet, die Räucherstäbchen entzündet und sich mit offenbar geweihtem Wasser den Kopf besprengt. Ich hoffe sehr, dass das Wasser nicht aus dem Fluss ist…

Suche mir also eine langsame Frau und folge ihr unauffällig, auf dass ich alles in der richtigen Reihenfolge mache. Zuerst Schuhe ausziehen, dann in den Schrein gehen, hinknien, das Gebinde aufmachen, die Blumen extra abgeben, die Räucherstäbchen entzünden und in ein Gefäß mit Sand stecken, die Kerze entzünden und auf einen Metallrost stecken, dann beten, dann erst in den Haupttempel gehen. So geht das nämlich!

Dann, um den Menschenmassen zu entfliehen, fahre ich mit dem Schiff noch einmal ans Ende der Welt. Weil heute ein hoher Feiertag ist, ist am Ende der Welt nicht mehr nur ein Urhturm, sondern auch ein riesengroßer Markt, der wochentags nicht hier ist. Oder habe ich ihn letztes Mal nicht gesehen? Hier heißt es Nonthaburi und das steht nicht mehr im Reiseführer. Von hier aus kann man eine dreistündige Bootstour in ein Dorf vor Bangkok machen, um nur 100 Bhat. Und auf dem Markt gibt es die wunderlichsten Lebensmittel, die ich je gesehen habe. Gegrilltes Huhn, das so flach ist, als wäre ein Auto drübergefahren, rohe Fische im Bambuskörbchen, von der Sonne getrocknete und dann gegrillte Fische (ok, die gibt es auch in der Khao San) und Süßigkeiten in den schrillsten Farben.

Auf der Fahrt zurück sitze ich vorne am Bug neben dem Fahrer und lasse mir den Wind ins Gesicht blasen. Habe ich schon erzählt, dass ich Pirat bin?

Morgen um diese Zeit bin ich schon auf Bali! Ein relativ spontaner Entschluss, Sabina ist dort und meint, es sei so schön und ich denke mir, wann werde ich wohl wieder in diese Ecke der Welt kommen, warum also nicht! Ich sage vorerst goodbye Bangkok, goodbye fürs Erste, liebe Freunde, denn ich glaube mit Internetcafes sieht es dort nicht so gut aus wie hier! Falls doch – Berichte folgen. Denn die Turnschuhe, die brauche ich, um den Batur, einen aktiven Vulkan auf Bali, zu erklimmen. Hoffentlich klappt das!!! Und jetzt, liebe Monika & Elisabeth, brauche ich zum ersten Mal meine Socken. Für den Flug.

Thailand2009_3414. Februar, Bangkok
Bali ist kein Land für Internet-Ratten, es sei denn, sie haben ihr eigenes notebook dabei. Am 10. Februar in Bali angekommen, Denpasar, obwohl, eigentlich liegt der Flughafen außerhalb von Denpasar. Am Flughafen dröhnt Hintergrundmusik aus versteckten Lautsprechern, die bei uns als nebenbei-Klassik-hören verstanden würde, das ungeübte Europäer-Ohr hört aber nur ein völlig abgefahrenes Pling-Plang, während er durch nachgebaute Tempelfragmente inmitten des gläsernen Flughafenterminals in Richtung Einwanderungsbehörde wandert. Dort wird man um zehn Euro erleichtert, soviel kostet ein Visum für eine Woche. Wer länger bleibt, muss mit 200 Dollar Strafe rechnen. Allerdings sind die Beamten so überzeugend nett, dass man das Geld für das Visum gern gibt 😉

Der Verkehr in Bali ist so, dass man Thailand im Vergleich als gesittet bezeichnen kann. Die Straßen sind dafür viel schmäler, was die Anzahl der Mopedfahrer und die Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegen, als mörderisch erscheinen läßt.

Thailand2009_35Bis wir mit dem kleinen Jeep, den Sabine gemietet hat, aus dem Verkehrsgewühl geflüchtet sind, sind wir beide nass geschwitzt vor Anstrengung. Die kleine Straße nach Ubud, die auf der Karte so einsam da liegt, ist in Wahrheit gesäumt von Häusern, Geschäften und Handwerksbetrieben und nachdem eine Beschilderung im herkömmlichen Sinn hier nicht üblich ist, weiß man meistens erstens nicht, wo man ist, zweitens, wohin man fährt und drittens, ob man dort schon angekommen ist.

Auf dem Weg nach Ubud befindet sich ein Tempel, der sehenswert ist. Ich muss über meine durchgeschwitzte Jeans einen Sarong anziehen, denn hier ist es, im Gegensatz zu den Tempeln in Thailand zwar egal, dass man Spaghettiträgerleiberl trägt, aber es darf keine Hose sein. Auch die Männer müssen Sarongs, also lange Tücher tragen. Im Tempel wird für ein Fest vorbereitet – Tücher und Schmuck an den Gebäuden, Frauen, die Unmengen von Opferkörbchen vorbereiten. Diese Körbchen gehören auf Bali zum täglichen Leben. Sie sind ungefähr so groß wie meine Handfläche, bestehen aus einem einzigen gefalteten Bananenblatt und werden, mit Blumen und Keksen befüllt, jeden Tag vor die Tür gestellt. Und zwar überall. Vor jedem Tempel, vor jeder Haustür, vor jedem Geschäft, vor jedem Hotelzimmer.

Thailand2009_36Nachdem ich meine Weihnachtskekse vergangenes Jahr in Origami-Schachteln gepackt habe, interessiert mich die Bananenblätterfalttechnik enorm und ich darf mich dazu setzen und werde im Bananenblätterfalten unterwiesen. Es ist wesentlich schwieriger, als ich dachte!!!!! Und auch, wenn ich hier gern ewig sitzen geblieben wäre, weil es so still ist und so schön, müssen wir irgendwann weiter, weil ich denke, dass es relativ vermessen ist, hier auch noch bei Dunkelheit zu fahren…

Irgendwann dann aber, Ubud. Tausend Shops, viele Markenlabels, die meisten davon von Europäern, Australiern und Amerikanern betrieben, dazwischen Handwerker, Tempel und Restaurants. Im Moment ist es still auf Bali, Monsunzeit und sehr wenig Touristen, viele Hotels in schlechter besuchten Gegenden (also alles bis auf die Süd- und Ostküste) geben ihre Zimmer zu Spottpreisen ab.

Ich blicke zurück auf den 11. Februar, wir fahren von Ubud nach Tampaksiring, wo wir einen Knochenschnitzer besuchen. In Tampaksiring gibt es viele Knochen- und Holzschnitzer, die unheimlich filigrane, zarte Dinge aus diesen Materialien herstellen, federleichte Ohrringe, Umhänger und Armreifen, unglaublich schön.

Ubud liegt auf dieser Karte am südlichen Ende der Bergkette, Tampaksiring etwa eine halbe Stunde weiter nördlich, also etwa zwanzig Kilometer. Man braucht hier ewig für die kürzesten Strecken, wird aber mit atemberaubender Landschaft belohnt.

Thailand2009_38Auf dem Weg nach Tampaksiring verfahren wir uns ungefähr achtzig mal und erleben unglaubliche Ansichten von winzig kleinen Dörfern, Reisfeldern und Kindern, die von der Schule nach Hause gehen, out in the middle of nowhere, wie bei uns vor sechzig Jahren. Allein in Tampaksiring irren wir eine gute halbe Stunde umher, weil einfach kein Ortsschild angezeigt hat, dass wir schon da sind…

Dann geht es weiter zum Mount Batur, einem aktiven Vulkan in der Mitte der Insel. Seit vor ein paar Jahren ein junges Paar bei einer Vulkanbesteigung ums Leben kam, weil die beiden eine kleine Eruption übersehen hatten, darf man den Vulkan nur noch mit Guide besteigen. 30 Euro kostet das für einen allein, zu zweit dann 20 pro Person. Da in Bali zurzeit Regenzeit ist, kann kein Mensch wissen, ob die Besteigung überhaupt möglich ist und ich handle aus, dass ich in der Früh um vier selbst entscheiden kann, ob wir gehen oder nicht (gute Zeit für Entscheidungen dieser Art, wer mich kennt :-))

Abendessen gibt es in einer bescheidenen Hütte, dem einzigen von drei Lokalen, dass in diesem Dreißig-Seelen-Dorf in der Off-Season geöffnet hat. Thailand2009_37Die Wirtin möchte gern mit uns reden und bedankt sich dafür, dass wir das tun, denn erstens möchte sie englisch üben und zweitens will sie etwas aus der fernen Welt erfahren, zum Beispiel aus dem Land, aus dem wir kommen. Ich erzähle alles über Österreich, was mich zurzeit bewegt, dass es brutal kalt werden kann, dass die Berge einfach zauberhaft sind, vor allem im Winter, dass es so schön ist, im Schnee zu gehen, dass die Menschen in den Tälern sonderbar reden, aber guten Herzens sind. Wir erzählen einander von unseren Großmüttern und deren Naturverbundenheit und ich bekomme so schlimmes Heimweh, dass ich ganz viel Arrack trinken muss, ein Schnaps aus vergorenen Früchten, Weizen, Zuckerrohr oder Kokosnuß, wie mich die Wikipedia belehrt. Zum Zeitpunkt des Trinkens war ich mir der Ingredienzien nicht bewusst, diese Wissen hätte auch nichts bewirkt, nehme ich an.

http://en.wikipedia.org/wiki/Arrack

 

Inmitten der feucht-fröhlichen Unterhaltung zeigt sie uns Bilder, die, so erzählt sie, ihr Mann gemacht hat, wunderbare, naive Kunst vom Fuß des Vulkans. Amazing. Wie es so ist, am Vulkan zu leben? Du musst wissen, wenn Du loslaufen musst, erzählt sie. Aber das letzte Mal, als dieses Dorf betroffen war, war 1963, sie war damals noch nicht geboren. Dann gab es eine große Eruption in den siebziger Jahren, dann im Abstand von fünf Jahren immer wieder kleinere Ausbrüche, die das Dorf nie direkt betroffen haben. Trotzdem muss man wachsam sein, meint sie.

Und sie ist froh, dass die Entwicklung des Landes nun auch in die Berge vorgedrungen ist. Immerhin müssen ihre Kinder nicht mehr zehn Kilometer zu Fuß in die Schule gehen, wie sie das noch musste. Immerhin gibt es heute ein Moped. Ein Auto kann sich hier nicht jeder leisten, sie jedenfalls nicht.

Mir fehlen die Worte für die Erkenntnisse des Tages. Dass es hier so ist, wusste ich ja, aber dass hier jemand ist, ein einzelner Mensch, der so wissbegierig ist, wie es anderswo ist, der einen darauf zurückwirft, was ein Reisender eigentlich früher war – jemand, der erzählt, von anderswo, von dort, wo er herkommt, von fremden Ländern, Sitten und Gebräuchen und nicht jemand, der sich hinter den Mauern von Viersternhotels verschanzt und die angebliche Authetizität eines Landes in Preis und Qualität seiner Cocktails bemisst – das hat mich tief berührt.

Auf den Mount Batur bin ich dann übrigens nicht gegangen. Um vier Uhr früh, es war bewölkt (achtachtel für alle Wetterprofis) und hat genieselt (der guide meinte „it doesn’t rain, it’s just the wind and look over there you can see the moon“) habe ich entschieden, dass es nicht sehr schlau ist, mit schlecht besohlten Turnschuhen einen schlatzigen Trampelpfad zu einem Gipfel auf 1700 Metern zu erklimmen. Also. Es wird wohl doch der Stromboli. Falls es auf dieser Welt einen Menschen gibt, der mir eine Freude machen will: ja, ich möchte mit Dir zum Stromboli fahren.

Was meine Entscheidung ebenfalls beeinflusst, ist die Tatsache, dass ich die ganze Nacht kaum geschlafen habe, erst nicht eingeschlafen, dann wilde Träume, draußen vor der Tür heulen und bellen halbverwilderte Hunde. Am Morgen wie durch den Wind, am Vulkan eine gut sichtbare Rauchfahne an der Seite des Hauptkraters. War es das??? Die Gegend um den Vulkan ist sehr eigenartig, die großen Lavaflächen aus den siebziger Jahren gut überwachsen und sehr fruchtbar. Hier gedeiht Wein, Tomaten, Kohl und allerlei verschiedene Baumsorten, die von einer Save-the-Earth-Gruppe angepflanzt worden sind. Und trotzdem ist es eine sehr, sehr eigenartige Gegend.

Die Fahrt an die Nordküste führt über den höchsten Pass Balis, von hier aus hat man an wolkenlosen Tagen einen wunderbaren Ausblick auf den Batur, den Agung, einen sehr schwierig zu besteigenden Vulkan auf der anderen Seite des Batur Sees, und das Meer. Heute sieht man nichts, denn die Wolken kleben am Pass und es ist kalt. Also, nicht wirklich kalt. Ich brauche halt ein Langarmshirt, während die Balinesen in dicken Anoraks und Wollhauben herumgehen. Denen ist wirklich kalt! Unten am Meer ist es wolkenlos, der Wind drückt die Wolken an den Berg. Die Touristenströme auf Bali sind seit den Anschlägen vor ein paar Jahren sehr zurückgegangen und am meisten spüren die Menschen das hier in der Nachsaison abseits der Tauchressorts. Wir bekommen ein wunderbares Zimmer mit Blumen am frisch gemachten Bett, Pool, Frühstück und Parkplatz um zehn Euro pro Person.

Am Abend spielt in der Bar gegenüber eine kleine Band, die Dolphin-Band, alles von Elvis bis Nirvana und ich werde eingeladen, mitzusingen. Wer die Geschichte von dem Pferd in der Hotelbar kennt, weiß nun, ob ich es gemacht habe 😉

Der 13. Februar führt uns von der Nord- an die Südküste, zu den Wassertempeln. Pura Tanah Lot heißt der Haupttempel, den man im Bild sieht, was soviel heißt wie „Land in der Mitte des Meeres“. Der Sage nach kam der Priester Nirartha im 15. Jahrhundert hierher und rastete auf einem Felsen. Fischer, die ihn sahen, brachten ihm Geschenke und Nirartha trug ihnen auf, einen Tempel am Felsen zu errichten und dort die Götter des Meeres zu verehren. Dies geschah auch und seitdem pilgern die Menschen in den Tempel, um dort ihren Opfergaben darzubringen. Bei Ebbe ist nur ein kleines Rinnsal zwischen Festland und Felsen und es ist sehr einfach, hinüberzugehen. Touristen dürfen den Tempel selbst nicht betreten, aber eine kleine Höhle darunter, wo die vom heiligen Wasser trinken und als Opfergabe Geld in ein Körbchen legen. Dafür gibt es dann einen Segen von dem anwesenden Mönch und eine Blume ins Haar gesteckt.

Fast schon wieder am anderen Ufer stelle ich fest, dass meine Sonnenbrille weg ist und gehe noch einmal zurück. Meine Brille ist den den Brunnen mit dem heiligen Wasser gefallen, aus dem der Mönch sie wieder herausangelt. Ob ich mit dieser Brille nun in die Tiefen der Seelen schauen kann?????

In Seminyak, das nicht sehr weit entfernt ist, etwa 20 Kilometer, aber doch auch wieder eine Weltreise entfernt, geht der letzte Tag dieser Reise auf Bali zu Ende. Restaurant am Meer, das weite Rauschen, der Wind…

Thailand2009_3916. Februar, Bangkok
Was gibt es noch Neues aus Bangkok? Die Mädels im Massage/Kosmetikstudio nennen mich „Som“, das heißt orange. „Som“ heißen auch die orangen Früchte, also Orangen, Mandarinen und Clementinen. Die Mädels erzählen, dass sie dieses Jahr sehr wenig Geschäft machen, weil sehr viele Touristen nach den Problemen im November beschlossen haben, nicht nach Thailand zu fahren. Vielleicht aber auch, nicht so viel Zeit in Bangkok zu verbringen. Sie fragen mich, ob ich reich bin und leider ist ihr Englisch und mein Thai nicht gut genug, um zu erklären, dass ich mich für mich sehr reich fühle, reich an Erfahrungen, an Erkenntnissen, aber zu Hause finanziell betrachtet auch nicht reich bin. Für Tip, die Fußpflegerin, bin ich reich, weil ich hier bin. Ein Flug nach Europa ist für sie nicht finanzierbar und wird es wohl auch nie sein.

May Kaidee, bei der ich letztes Mal den Kochkurs gemacht habe, hat ein größeres Lokal jetzt und macht jeden Samstag Abendbuffet. Außerdem gibt es ihr Kochbuch jetzt in Farbe. Die Rezepte sind sowohl in Thai als auch auf Englisch abgedruckt.

Der verrückte Rikschafahrer mit den schrillen Sonnenbrillen ist immer noch auf der Khao San unterwegs und nachdem er mich jetzt schon persönlich begrüßt, bin ich wohl ein wenig zu lang in Bangkok gewesen 😉

Ich habe Socken, Pullover und Jacke aus den Tiefen meines Rucksackes gekramt und alles abflugbereit gemacht, in acht Stunden geht mein Flug. Wie immer bin ich ein wenig traurig, die Fremde zu verlassen und denke gar nicht mehr daran, wie schlimm das Heimweh ist. Wie immer hat die Fremde das Vertraute verändert und ich selbst wohl auch das Fremde und wie immer kommt ein bisschen was auch mit nach Hause. Und ja, sicher. Ich werde wiederkommen.