Nix wie weg

29. Mai 2017

Ja, dieses Jahr hat chaotisch begonnen und so war im Februar klar – bis Herst zu warten, um auf eine große Reise zu gehen, das klappt nie im Leben. Anfang Mai ab in den Norden, ans Nordkap genau genommen, das sollte es werden. Dass dann alles ganz anders kam, als gewünscht, naja. Das ist der Trend meines Lebens! Zuerst ein etwas überraschendes Engagement, doch noch mal am bfi zu unterrichten (absoluter Reinfall) und dann die Hochzeit meines lieben Fredi (ein genialer Anlass, zu bleiben) schoben die Abfahrt in Richtung Juni. Und nun ist es klar. Nicht Norkap, Zeit zu kurz. Sondern in den Westen. Und die Abfahrt ist in genau einer Woche! Stay tuned!

 

7. Juni 2017

Nach einer aufregenden Hochzeit – ich habe fotografiert – geht es erstmal 200 Kilometer Richtung Westen. Tirol. Zwei Tage Fotos aufarbeiten. An sich wollten wir gestern am Nachmittag los, doch mein kleiner Hundestaubsauger hat irgendein Schmerzmittel gefunden und wieviel davon verzehrt wurde, konnte ich nicht mehr feststellen. Also Beobachtung. Heute geht es dem Hündlein ganz normal und wir starten. Carissima hat gestern Weltuntergang mitgemacht, es hat geregnet wie aus Kübeln. Heute leuchten die Berge hier so sauber gewaschen, dass es eine Freude ist.

Das Schreiben ist ein flow, eine Welle, die wartet, erkannt und genutzt zu werden. Das Schreiben ist ein Ruf, dem man zu folgen hat. Im Moment bestimmt ein knapp zweieinhalb Kilo schweres Hündlein das Schreiben und das kann nicht funktionieren. Wenn ihm langweilig ist, tanzt es um meine Beine, verwickelt sich in der Laufleine, findet allerhand Unrat, des es aufsaugt wie ein Staubsauger, verschleppt vom Regen verwitterte und mürbe Steakknochen unters Auto, damit ich sie nicht ewische. Doch das Schreiben will nicht dem Hündlein folgen. Und so gilt es, Kompromisse zu finden und Situationen zu nutzen und irgendwann einen Weg zu finden. Doch alles der Reihe nach. Heute ist der 11. Juni und seit sechs Tagen bin ich unterwegs. Zwei Tage in den Tiroler Bergen, um mich zu sortieren und den fast besten aller Männer zu besuchen. Dieser gibt mir wieder ein Zelt mit, eine Hängematte und viele gute Wünsche. Im Moment ist die Hängematte in einer der vielen Taschen, deren Inhalt ich in den ersten Tagen verstauen wollte, also verschwunden. Aber hier auf meinem Platz steht ohnehin nur ein einziger Baum, also einer zuwenig. Und genauso fühlt es sich nun das erste Mal auf Reisen an: einer zu wenig. Einer, der das Hündlein tröstet, wenn ich mal aufs Klo muss oder duschen möchte oder – Gott bewahre – eine Länge schwimmen. Dann nämlich steht das Hündlein vor dem jeweiligen Objekt, heult wie ein Wolf und wird von Menschen getröstet, die mir böse Blicke zuwerfen ob meiner Grausamkeit, einen Chihuahua anzuleinen. Ich nehme es mit Fassung. Und nun zurück zum 7. Juni!

Der Arlberg ist wieder einmal gesperrt und so keucht Carissima über den hohen Pass. Wir nutzen die Lkw Ausweichen, um jeweils die Schlange Fahrzeuge vorbei zu lassen, die sich hinter uns anstaut. Für heute ist geplant, einfach mal nach Frankreich zu kommen, entweder gleich nach Louverel, der Ortschaft, in der ich Mareike und Stefan von der ersten großen Reise treffen werde, oder eben so weit wir kommen. Für den Fall, dass wir Louverel nicht schaffen, habe ich ein Plätzchen gleich nach der Grenze ins Auge gefasst, an einem See. Malbuissan heißt es hier und da landen wir auch. Die Fahrt durch die Schweiz war lang und anstrengend. Wir hören Martin Suters „Der letzte Weinfeld“ und ich bleibe zweimal stehen, um mit Wanda spazieren zu gehen. Was cool ist, ist jeweils die Möglichkeit, das Gelände der Autobahnraststätte durch ein Gittertor zu verlassen und Wanda dahinter frei laufen zu lassen. Sie ist übermütig und übernimmt sich total. Fällt gleich mal eine Treppe zu einem Denkmal hinunter und ich kann nichts als zusehen, weil alles zu schnell geht, Wanda bleibt unverletzt, ist aber einigermaßen verdattert. Carissima springt nicht mehr an und beschließt erst nach einigem guten Zureden, wieder in Betrieb zu gehen. Ich verstehe das, mir geht es zurzeit ja genauso.

An der französischen Grenze werden wir angehalten, Wanda kläfft den Zöllner hemmungslos an, während der mich permanent fragt, ob ich in der Schweiz was eingekauft habe. Ich möchte ihn gerne anbrüllen, dass ich, hättte ich die Finanzen, in der Schweiz einzukaufen, meinen Hundetrainer mit auf die Reise genommen hätte, damit Situationen wie diese angenehmer vorbei ziehen würden. In Ermangelung der französischen Sprache sage ich aber nichts und lasse eine Vielzahl von Fragen über mich ergehen. Wanda kläfft. Carissima grinst. Und dann geht es weiter.

Mir reicht es zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich und ich bitte nur noch darum, den Campingplatz zu finden. Die Bitte wird erhört, doch hat die Rezeption längst geschlossen, als wir ankommen. Ich frage einige Campinggäste und die meinen, ich solle mich einfach irendwohin stellen. Morgen käme da sicher wieder jemand. Der Platz ist einsam und nur wenige Gäste sind da, Wanda kann frei laufen und das tut sie auch. In großen Kreisen galloppiert sie um unseren Stellplatz und erkundet das Gelände, während ich uns schlafffertig mache.

 

8. Juni 2017

Heute haben wir keine große Strecke vor uns. Also spazieren wir noch zu Fuß ins Dorf, kaufen Frühstück und dann wird eingepackt. Es geht weiter, auf Nebenstraßen, und Erinnerungen an die Motorradzeiten in Frankreich kommen hoch. Als wir noch keine Reiseführer benutzten und einfach nur grob die Richtung wussten, einfach gefahren sind und der Rest hat sich ergeben. Analog waren wir, komplett analog. Ähnlich ist es heute. Mit meiner neuen Frankreichkarte (yeah!) bestimme ich die Richtung mitsamt einiger Anhaltspunkte, der Rest ergibt sich. So zum Beispiel die Cascades du Herrisson, eine herrliche Ansammlung an kleinen Wasserfällen inmitten eines kleinen Naturschutzgebietes. Die Luft ist frisch und kühl hier, die Touristenmassen überschaubar und der Campingplatz hier sähe auch ganz gut aus. Aber wir wollen weiter. Richtug Bourg en Bresse nach St. Amour, davor abbiegen in eine gottverlassene Gegend, die Dörfer so klein, dass sie auf meiner Karte nicht existieren. Und dennoch finden wir Louvarel, ein kleines Dorf mit einem Fischteich, an dessen Ufer sich ein Campingplatz befindet. Und hier sind Stefan und Mareike, die sich gerade auf dem nach Hause Weg von Gruissan nach Deutschland befinden. Es ist wunderbar, Gleichgesinnte zu treffen, erst mal einfach nur Wein trinken und reden.

Wir bleiben zwei Tage und besprechen die Welt. Wanda tobt herum, die Spaziergänge um den Teich sind perfekt, weil sie hier laufen kann und nicht an der Leine gehen muss. Also, eigentlich müsste sie schon. Aber hier ist einfach niemand. Und dann das absolute Highlight! Stefan startet einen Drohnenflug über den Platz – da steht sie, die Carissima, das einzig nicht weiße Fahrzeug, und wir sitzen da und bewundern das kleine Fluggerät…

Stefan und Mareike – wir haben wieder mal KEIN Gruppenbild gemacht!!! Das sollten wir uns fürs nächste Mal wirklich vornehmen 😉

 

10. Juni 2017

Es geht weiter, Stefan und Mareike fahren nach Hause und ich an die Düne. Allerdings können wir uns von dem Platz hier sehr schlecht trennen und verplaudern uns bis nach Mittag. Eine sehr schöne Sache, die sich leider schnell rächt. Schon nach einer halben Stunde hat es gefühlte Saunatemperaturen im Auto und Wanda besteht darauf, auf meinem Schoß zu sitzen und die Nase beim offenen Fenster hinauszustrecken. In Macon wird sie so lästig, dass ich stehen bleiben muss. Leider haben wir den Markt versäumt, das wäre natürlich die Gelegenheit gewesen, einzukaufen, denn das Einkaufen stellt eine Herausforderung dar. Ich kann Wanda nicht im Auto lassen und sie in einer fremden Stadt vor dem Lebensmittelgeschäft anzubinden, traue ich mich nicht. Immerhin schafft sie es in ausgewählten Fällen, die sich nicht planen lassen, sich aus dem Brustgeschirr zu befreien und davon zu laufen. Nachdem ich aber kein Gemüse mehr habe und auch sonst einige Dinge brauche, nehme ich sie kurz entschlossen auf den Arm und gehe in einen Casino. Der junge Mann, der den Laden betreut, ist mit seinem Smartphone beschäftigt und kümmert sich nicht darum, dass ich die „Hunde verboten“ Schilder ignoriert habe. Alles gut.

Als ich zurück zum Auto gehe, werde ich von der kleinen Panik befallen, einen Strafzettel bekommen zu haben. Von Weitem lacht Carissima schon. Deine Panik riecht man auf 500 Meter, ruft sie, dabei ist ein Strafzettel das Beste, was einem passieren kann! Wieso, frage ich. Weil ein Strafzettel an der Winschutzscheibe bedeutet, dass das Auto noch da ist, grölt sie vor Erheiterung. Ich muss gestehen, dass dieses Argument wirklich schlagkräftig ist.

Wanda trinkt eine große Schale Wasser, im Auto hat es nun Aufgusstemperatur und ich finde aus Macon nicht mehr raus. Außerdem hat es mich ein wenig frustriert, dass der Mann im Orange Laden meinte, er könne mir erst am Montag „internet to go“ verkaufen. Nach einer weiteren halben Stunde reicht es. Ich suche den nächst besten Campingplatz auf. Der hat zu. Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist, keine Ahnung, wo ich bin, der Kühlschrank geht nicht mehr und es ist einer von diesen ganz speziellen Tagen. Endlich, an einer Nebenstraße, ein Schild zu einem Campingplatz, der offen hat. Die Ortschaft heißt Fleurie, die Dame an der Camping Rezeption ist so freundlich, als gälte es einen Preis zu gewinnen und am Abend ist ein Musikfest im Dorf. Wie schnell das Blatt sich wenden kann!

 

11. Juni 2017
Ich stelle fest, dass ich im Umgang mit meinem Hündlein ein wenig doof vorgegangen bin. Nun ist alles neu, fast jeden Tag wieder, und ich denke plötzlich, dass das Hündlein auf einem Handtuch im Gras Platz nehmen wird. Wundere mich seit Tagen, warum es nie zur Ruhe kommt. Bis mir einfällt: zu Hause sitzen wir zusammen auf der Couch. Täglich ab 16.00 Uhr beginnt unser Couchsitzen, dann arbeite ich bis tief in die Nacht hinein und das Hündlein schläft. Dies musste sie in den letzten Tagen vermissen, war aufgekratzt und kam nicht zur Ruhe. Nun stelle ich den Campingstuhl, auf dem der Blues immer sitzt, neben mich, das Hundebettchen darauf und klein Wanda legt sich innerhalb von 20 Sekunden gemütlich zur Ruhe. So einfach kann es sein, wenn man seine Umgebung ein wenig besser beobachtet…

Den Rest der Zeit hat Wanda es sich zum Ziel gesetzt, „unser Grundstück“ zu bewachen. Sie sitzt ganz vorne am Rand der Grünfläche und beobachtet aufmerksam, was da alles vor sich geht. Als nicht besonders guter Beobachter würde ich sagen: genau nix. Aber sie sieht irgend etwas, dessen bin ich mir sicher.

 

13. Juni 2017
Oh, der Dreizehnte. Und ich habe keine Ahung, welchen Tag wir heute haben. Am Morgen in Fleurie losgefahren, sehr früh, wegen Wanda, damit sie noch im Auto warten kann, während ich im Supermarkt Proviant bunkere. Ohne Kaffee. Eine gute Dreiviertelstunde nach Aufbruch landen wir wieder in Fleurie, ich habe mich hoffnungslos verfahren. Also noch mal von vorn. Es ist erst halb neun, immer noch kühl, und wir tuckern irgendwo westlich der Lyon-Dijon-Route in der Pampas herum. Irgendwann habe ich dann die Route gefunden, die ich geplant hatte und es geht durch Weinhügel und Wälder weiter westlich.

Die Straße windet sich über eine Kuppe und plötzlich sehe ich vor mir das weite Land und es macht sich ein Glücksgefühl breit, das ich lange vermisst habe. Wanda schläft. Carissima schnurrt. Und als ich dem Blues sagen will, dass er getrost eine rauchen kann, stelle ich fest, dass er fort ist. Vermutlich besucht er Vichy und belästigt dort Touristen.

Mit Gedanken an den Blues erreichen wir Belleville, wo ich mich höllisch verfahre und plötzlich im Stadtzentrum lande, kein Fehler, wie sich herausstellt, denn ich finde einen Parkplatz direkt vor dem örtlichen McDonalds und komme so – diese Story kennen wir bereits – zu einem sauberen Klo und einem großen Capuccino. For the road. Was eine gute Entscheidung war, Globalisierung hin oder her. Denn diese gottverdammte Stadt lässt uns einfach nicht mehr los. Wir sollten nach Thiers, doch so sehr ich auch der Beschilderung zu folgen versuche, verfranse ich mich immer. Irgendwann gebe ich mich geschlagen und folge der Beschilderung nach Clermont-Ferrand. Mit etwas über 70 Kilometern Umweg kommen wir dann doch noch auf die D 2089 nach Thiers. Die führt durch Hügellandschaften und Wälder, einsame Dörfer und Kuhweiden, es ist wunderschön und ich träume vor mich hin. Wanda verweigert bei allen Stopps die Aufnahme von Wasser, ich gebe also das morgens erstandene Nassfutter, dass sie staubsaugerartig vertilgt. Carissima verlangt nach einem halben Liter Öl und ich selbst werde auch langsam durstig. Große, mit Tropfen beschlagene Bierkrüge manifestieren sich vor meinem inneren Auge. Bergerac, unser heutiges Reiseziel, ist noch so unglaublch weit weg. Wie weit weiß ich nicht, denn ich habe ein wenig die Orientierung verloren. Aber es scheint laut Tacho noch sehr weit zu sein.

Wenn man mit einem Hündlein reist, dann übernimmt man sich nicht wie üblich. Denn irgendwann streikt Wanda. Sie hechelt und will nicht mehr, klettert an mir herum und versucht, es sich zwischen Kopfstütze und Nacken bequem zu machen. Diese Form der Bequemlichkeit betrifft naturgemäß nur sie. Beim nächsten Campingplatzschild halte ich an. Es ist drei Uhr nachmittags und immer noch knapp 150 Kilomeer bis Bergerac. Wir sind seit sieben Stunden unterwegs. Es langt. Der Mann auf dem Campingplatz ist extrem freundlich. Hund? Er winkt ab. Den berechnet er nicht, meint er. Internet gibt es keines, auch gut, denke ich, und schreibe das, was mir in den Sinn kommt, einfach mal so auf. Die Vögel zwitschern und ich schaue auf alte Bäume. Eigentlich sollten wir ab und an alle mal einfach alte Bäume anschauen, denke ich. Und das mache ich dann auch.

 

14. Juni 2017
Also, was war nun mit dem harten Winter, fragt Carissima. Gestern gab es tatsächlich noch das von mir geträumte kühle Bier, im Campingplatz Restaurant, in dem ich der einzige Gast war. Überhaupt waren auf dem Campingplatz nur zwei Besucher außer mir, plus einer ganzen Horde Handwerker, die hier in Bungalows untergebracht sind. Ein etwas älterer Herr, der sich sehr langsam bewegt, ist mit seinem Camper unterwegs und jedes Mal, wenn er Wanda sieht, bricht er in helles Entzücken aus. Seine Freude ist richtig ansteckend. Mit dem „chien miniature“, das mir der Besitzer des Campingplatzes in Louverel beigebracht hat, lande ich zusätzlich eine Lachnummer. Ein Miniaturhund. Das finden die meisten zum Niederknien. Nach dem Bier, dem in die Bäume starren und einer Nacht unter Pinien brechen wir also auf und Carissima ist neugierig. Ist so eine Sache, sage ich. Wenn einem der Boden mal wieder unter den Beinen fort gerissen wird, danach das Herz gebrochen, das findet man sehr schlimm. Also, ich fand das halt schlimm. Drei Monate später, oder vier, sieht das meist ganz anders aus. Erzähl mir was, sagt sie. Ähm, meine ich. Was soll ich nun mit meinem Auto über Gefühle reden? Ich glaub, ich kann noch nicht, sage ich. Auch gut, sagt sie. Weißt Du, ich glaube das Liebesleben der Menschen wird ohnehin überschätzt. Ich meine, schau Dir das doch an. Von einem Tag auf den anderen scheint alles plötzlich ganz leicht zu sein, alles einfach zu meistern, obwohl sich an der Grundlage nichts verändert hat. Und dann ist es vorbei und alles wird mit einem Schlag beschwerlich und trist, der Mensch kann den Alltag nicht mehr tragen, dabei hat sich an der Ausgangslage wiederum nichts verändert. Gar nichts. Da hast Du wohl recht, sage ich. Mit der Liebe, das ist sehr eigenartig. Als würde einen dieses Gefühl einfach tragen, ein paar Meter über dem Boden, über alle Schwierigkeiten hinweg. Und wenn sie dann geht, die Liebe, dann ist es, als würde man auf eben diesem Boden aufschlagen und all die Dinge, die man bis dahin aus einem gesunden Abstand betrachtet hat, die sind dann wieder auf Augenhöhe. Und das ist es wohl, was so unglaublich nervt. Der mangelnde Abstand zu Dingen, die nichts mit unserer Substanz zu tun haben. Könnte was dran sein, sagt sie. Und wo wir grad bei Substanz sind, was hältst Du von ungeähr 60 Litern Benzin, super. Denn das wird hier bald mal zu Ende sein. Ich kontrolliere die Tankanzeige, die seit unserer allerersten Fahrt ab der Hälfte permanent hin und her schwankt, zwischen halbvoll und völlig leer. Seit 30 Kilometern ist sie auf völlig leer. Ups, sage ich. Ich denke, wir sind durstig.

Wir haben in Egeletons übernachtet und sind auf der D1089 weiter über Tulle und Brive gefahren. Das nur der Form halber, denn die Strecke ist über die Maßen schön. In Brive dann die Autobahn Richtung Toulouse, zweite Abfahrt und über Terrasson nach Montignac, La Bugue, und ab da ist dann Bergereac ausgeschildert. DAS ist Frankreich auf Nebenstraßen!

Nachdem das Reisen mit Hund ohnehin verlangsamt ist, folge ich einem Schild zu einem Schloss, dem Chateau de Losse. Schon bei der Einfahrt auf den Parkplatz kann ich das große „Hunde verboten“ Schild sehen, aber nachdem Wanda ohnehin mal raus muss und auch was fressen soll und der Blick auf das Schloss einfach grandios ist, beschließe ich, einfach mal auszusteigen. Und zu fragen, ob ich zumindest ein Bild vom Schloss machen kann, wenn ich schon nicht reindarf. Die Dame an der Kassa händigt mir ohne weitere Fragen ein Ticket aus und winkt ab, als ich frage, ob ich Wanda tragen soll. Und so schreitet ihre Majestät Wanditschka in den Hof des Chateau de Losse und findet das zum Niederknien. Die Reisegruppe, an die ich mich zur Führung anschließen darf, findet wiederum Wanda zum Niederknien.

Auf der Weiterfahrt kommen wir auch noch am „La RoQue de Saint-Christophe“ vorbei, einer seit der Steinzeit immer wieder bewohnten Stadt im Felsen, bis zum Mittelalter lebte man hier in in sicherem Abstand über dem Talboden. Ich habe schon davon gelesen und obwohl ich weiß, dass uns das erschöpfen wird, kann ich nicht wiederstehen, die Gelegenheit kam zu überraschend. Wanda lässt sich den meisten Teil der Besichtigung tragen, denn es geht treppauf, treppab durch den Felsen und die dunklen, handgehauenen Tunnels will sie ohnehin nicht betreten.

Die letzten paar Kilometer nach Bergereac sind extrem anstrengend, Wanda klettert wieder an mir hoch und will partout zwischen Nacken und Nackenstütze Platz nehmen, bis ich es plötzlich verstehe: wir fahren direkt gegen die Sonne und die ist einfach zu grell und zu heiß. Ich befeuchte Küchenrollentücher und breite sie auf dem Hündlein aus, eines über den Kopf und es geht wieder. Trotzdem können 30 Kilometer sehr lange sein, wenn ein Hund hechelt, obwohl alle Fenster offen sind und Du alle vier Kilometer anhältst.

Die Suche nach dem Campingplatz in Bergereac ist ätzend, gezählte viermal fahre ich dieselbe Runde, quietsche über Gehsteigkanten, Carissima heult, ich fluche. Dann endlich das Schild. Und angekommen. Un chien miniture? Alle lachen. Wunderbar. Gute Nacht.