Matrei 2010

Mittwoch, 28. April
Zum Glück bin ich mit Franzi in einem Auto eingeteilt, denn mein ewiges Gerotze und Gehuste könnte sonst garantiert zu Stimmungsverschlechterungen führen. So aber machen wir das Beste draus, kehren zum Mittagessen ein und sitzen neben der Bundesstraße in einem heißen Gastgarten. Ich glaube immer noch, dass es mir in den Bergen besser gehen wird. Diese Annahme wird aber, sobald ich in Matrei mein Gepäck am Zimmer habe und mich auf den Weg zur Veranstaltungshalle gemacht habe, widerlegt. Meine Augen tränen und das Hals tut so weh, als hätte ich am Vorabend beim Schwertschlucken den Weltmeistertitel erlangt. Weil ich aber uneinsichtig bin, glaube ich immer noch, dass sich eine Pollenallergie mit reiner Geisteskraft in den Griff bekommen lässt.

Bis zum Abend bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass nur noch Bier Abhilfe verschafft, doch auch das erweist sich als Fehlannahme. Nach einem einzigen Weißbier falle ich ins Bett und wache erst von meinem intensiven Nasenbluten wieder auf.

Donnerstag, 29. April
Ich gebe meine Vermutungen bezüglich Allergiebekämpfung auf und begebe mich in die Apotheke im Ort, wo man mir Tabletten und Nasenspray um knapp 40 Euro verkauft. Immerhin stoppt das das Nasenbluten und bis zum Nachmittag kann ich auch wieder atmen. Trotz alledem finde ich die Proben überdimensional anstrengend und muss am Abend wieder Bier trinken, im Gasthaus um die Ecke. Vor allem wollte ich mit Alexanderm, der heute die Landschaft erkundet hat, besprechen, wie wir morgen mit dem Fliegen tun. Doch kaum haben wir das Bier bestellt, klingelt Alex‘ Telefon und er geht kurz raus, höflich, aber fatal. Denn der Dorf-Alkoholiker, „pensionierter Metzger, Vater und Großvater“, wie er mehrmals betont, hat seine einzige Chance erkannt und setzt sich zu mir.

Zwei Stunden später – er hat mittlerweile die gesamte Zeche bezahlt und nicht mehr zu reden aufgehört – verlassen wir das Dorfgasthaus und ich bete noch ein wenig, dass mein Allgemeinzustand morgen flugtauglich ist.

Freitag, 30. April
Das Wetter ist herrlich, ich werfe eine der Wunderpillen ein und Pauli fährt Alex und mich auf den Berg. Ganz auf den Berg? NEIN! Bis zu einem Schranken, von dem aus es „noch gut eine Stunde zu gehen ist“. Allerdings hat Alexander meine Kondition erheblich überschätzt. Nach 25 Minuten glaube ich bereits, mein letztes Stündlein hat geschlagen, während Alex frisch und froh, als hätte ER kein Gepäck zu tragen, bergauf wandert. Doch wenn man soviel Pech hat wie ich, dann hat man auch genausoviel Glück: schon häre ich aus der Ferne das Tuckern eines alten Autos. Um die Ecke biegt ein Holzknecht in einem minikleinen Fiat, der noch Platz für mich und zwei Schirme hat. Alex kann also tatsächlich ohne Gepäck, aber halt zu Fuß, den Rest der Strecke bewältigen.

Der Flug war das Highlight dieser Produktion, das Süße am verlängertes-Wochenende-arbeiten-müssen. Auch wenn ich zwei Tage später von einem Nationalpark-Ranger erfahre, dass wir uns in die Nationapark-Randzone begeben haben, wo man natürlich KEINESFALLS fliegen darf 😉

Samstag, 1. Mai und Sonntag, 2. Mai
Ja, und dann, wie üblich, die langen, langen Abende mit Blasmusik und Einheimischen, die sich sehr über uns freuen. Was immer man sich für den Tag nach dem Aufnahmeabend vornimmt, es hält ohnehin nie. Zuviel Bier, um die Musik wieder aus den Ohren zu bekommen, zuviel schlafen, zu wehe Füße vom vielen Herumlaufen. Und trotzdem freue ich mich auf nächste Mal!