Epilog

Oktober 2017, Assisi

Am Morgen ist Carissima angesprungen, etwas hüstelnd, aber doch. Auch bei der Rezeption, nach dem Bezahlen, war sie gleich da. Nach dem Tanken einige Kilometer später dann keine Chance mehr. Es ist wie damals. Kein Klick, kein Klack. Ich muss den Tankwart bitten, der mich zusammen mit einem Kunden aus der Tankstelle schiebt. Ich bin froh, voll getankt zu haben und ich merke, dass es mir nun reicht. Die Frustrationstoleranz bezüglich nicht alleine zurecht zu kommen ist im Gegensatz zu vor ein paar Jahren extrem gesunken. Und ich weiß ja, dass es nicht immer so nett zugeht wie an dieser Tankstelle. Zum Beispiel dann einige Stunden später, nachdem ich wieder nach dem Tanken Hilfe brauche und danach prompt in einen Stau komme. Wir sind schon kurz nach Bozen, seit über sieben Stunden unterwegs und dann ein Stau.

 

Naturgemäß beginnt die Temperatur nach zwanzig Minuten zu steigen, ich schalte die Heizung ein, doch es ist klar, nachdem wir nur stehen und uns keinen Meter bewegen, muss ich den Motor irgendwann abstellen, sonst wird Carissima so heiß, dass sie dann gar nicht mehr anspringt. Schwitzend denke ich an Zürich. Nach 35 weiteren Minuten setzt sich der Stau in Bewegung. Kein Klick, kein Klack. Ich versuche, ein paar Mal zu starten, nichts. Nachdem die Fahrzeuge hinter mir nun auf die anderen Spur zu wechseln beginnen, um an mir vorbei zu kommen, springe ich schnell raus und bitte den hinter mir, zu schieben, bevor der auch weg ist. Er schafft es nicht. Ich halte einen weiteren Autofahrer an, der sich so doof anstellt beim Spuren wechseln, dass er fast überfahren wird. Immerhin, zu zweit schaffen sie es und ich sitze schwitzend und ziemlich geschockt hinterm Steuer. Jetzt nur nicht mehr stehen bleiben.

Feines Gitarrengeklimper durchmischt sich mit dem Motorgeräusch. Ich schaue in den Rückspiegel. Der Blues liegt auf dem Bett, die Gitarre am Bauch abgelegt, und übt ein paar feine Riffs. Klar, dass Du jetzt auch noch kommst, sage ich. Klar, sagt er und übt einen Basswechsel von E auf A. Klingt ziemlich gut, finde ich. Er greift neben sich und wirft ein kleines Säckchen mit Münzen nach vor. Wasn das, frage ich. Bezinzuschuss, sagt er. Es lief wieder richtig gut.

Na gut. Wenn mir jetzt mein eigener Blues den Sprit bezahlt, dann wird mir das alles langsam unheimlich.

Wir halten mit dem letzten Tropfen Benzin – denn ich will nicht mehr stehen bleiben ohne garantierte Hilfe – in Tirol, wo wir uns auf den Winter vorbereiten. Tanken, Auto waschen. Heimfahren. Das Leben.