September

Tag 1 – Das schöne Stubai

Nachdem es erstens nicht funktionieren will, wenn ich NICHT im Stubai starte, wie die gescheiterte US Reise gezeigt und nachdem Carissima Sorgen macht, starte ich also ins gelobte Land. Ich stell nach 20 Kilometern fest dass ich richtig erschöpft bin und kann mich an die Fahrt kaum erinnern, als ich endlich ankomme. Die Berge leuchten wie immer im Herbst, die Luft ist klar und frisch und ich weiß, was mir gefehlt hat. Es sind oft kurze Momente, die einen das erkennen lassen, ein Wimpernschlag, ein Luftholen.

Der fast beste aller Männer ist grantig wie ein nasser Sack, weil ich ihn dazu nötige, Carissimas Auspuff zu reparieren. Zu diesem Unterfangen bringt er zwei Keile und zwei Vierkanthölzer aus der Werkstatt und stellt daraus eine kleine Rampe her, auf die er fährt. Somit hat er ein wenig mehr Handlungsspielraum und wirft sich wacker unter das wenig gesicherte Konstrukt. Der Schaden am Auspuff ist wesentlich größer als erwartet. Nicht nur am Endstück befindet sich ein kleiner Riss, sondern bereits am vorderen Krümmer. Und das vorne ist kein kleiner Riss, sondern der Auspuff ist hier mehr oder weniger abgerissen. Ich merke, wie es mir das Herz zusammenzieht. Dann taucht auch noch wie aus dem Nichts ein junger Wilder auf, der sich als Mechaniker outet, ohne gefragt zu werden ebenfalls unters Auto kriecht und von unten Dinge wie „der verliert ja Öl“ oder „da muss der Motor generalsaniert werden, das ist ja Wahnsinn“ heraufruft. Ich bleibe gelassen, besser gesagt, versuche es zu bleiben, weil ich ja weiß, dass motorisch alles passt. Das mit dem Auspuff stört mich aber sehr.

Der fast beste aller Männer wurschtelt mit der Auspuffbandage und folgt meinen Anweisungen nicht. Immerhin ist das Ding irgendwann raufgepappt. Er drückt mir den Rest der Auspuffbandage in die Hand und weigert sich mit den Worten „das macht ja im Vergleich zu dem großen Loch eh nichts aus“, das kleine Loch auch noch zu reparieren. Na gut. Das wird dann ein Fall für den Campingplatz in Luxembourg.

Mittlerweile ist es stockfinstere Nacht geworden und der fast beste aller Männer muss nochmal weg. Der Blues setzt sich zu mir an den Küchentisch. Seit dem Vorfall vor einigen Wochen spricht er nicht mehr. Nun zieht er geräuschvoll die Nase hoch. Es ist unappetitlich und ich schiebe meinen Teller mit Nudeln weg. Du hättest mir fast die Nase gebrochen, sagt er. Geschah Dir auch recht, immerhin hast Du mich fast erwürgt, entgegne ich. Das ist mein Job, verdammt, begehrt er auf. Er sieht dünner aus als sonst. Meiner auch, sage ich, hole den Teller wieder zu mir und esse weiter. Den Rest des Abends schweigen wir einander an.

Tag 2 – Das Ende der Welt aus Tiroler Sicht

Die Wolken hängen tief. Ich starte einen kleinen Ausflug ans Ende der Welt, sprich, dorthin, wo der Gletscher beginnt und die Straße endet. Morgen soll ein Filmteam kommen, das einen Beitrag über Carissima und mich machen will. Dazu ist eine schöne Location gefragt und ich bin mir nicht sicher, ob der Platz hinter dem Haus ruhig genug ist.

Die Fahrt an den Talschluss dauert ewig. Ich war hier erst einmal. Sonderbarerweise wird das Tal nach hinten noch einmal breiter, oder wirkt das so, weil die Häuser weniger werden, bevor es ganz schmal wird. Wasserfälle donnern von schroffen Felsen auf den Talboden und unzählige Touristen stehend staunend davor. Als ich ebenfalls anhalte, um mit Wanda zu einem der beeindruckenden Wasserfälle zu wandern, beginnt es zu regnen. Der Blues, der am Bett liegt und bis zu dem Moment gedöst hat, beginnt böse zu kichern. Du gehst mir auf die Nerven, sage ich. Du mich auch, sagt er. Wir fahren weiter. Ich mache ein paar Bilder und Videos für das Filmteam, sollen die doch morgen entscheiden, wo und wie.

Dann koche ich eine Hauptspeise und eine Nachspeise für meinen Astro Blog und die Astro Nights, die ich ab kommender Woche gestalten darf und bin ziemlich verunsichert, als ich feststelle, dass zwei Hände echt wenig sind für einen Kochdreh. Da muss ich in Hinkunft richtig gut mit Stativ arbeiten und viel schneiden, soviel ist klar. Aber immerhin, zwei Notvarianten sind im Kasten. Besser als nichts.

Tag 3 – Von der Stummheit angesichts der Kamera

Die drei Burschen, die um Punkt 10.00 Uhr vor dem Haus stehen, erfüllen meine Erwartungen im besten Sinne nicht. Ich hatte ja erwartet, dass da drei so Bürschlein mit Smartphones kommen, die ganz gscheit tun und wenig Ahnung haben. Die hier sind aber sehr professionell und haben Wunderequipment mit dabei, das mich vor Neid erblassen lässt. Alles, was sich in diesem Produktionsfahrzeug befindet, hätte ich sehr, sehr gerne. Die drei bekommen also erstmal Kaffee und den Scheiterhaufen, den ich gestern gebacken habe und dann geht es los.

Der Dreh ist genauso wie alle Drehs und der fast beste aller Männer und ich sind sofort wieder bei alten Zeiten. Er gschaftelt mit, als Lichtdouble, als Reflektorhalter und als Bildausschnittnörgler, ich bereite mich auf das vor, was ich sagen soll. Das ist ja neu. Dass ich was sage, das nicht live oder quasi live ist und das bewusst super zum Schneiden gehen soll. Kurze Sätze. Pausen. So wird es mir aufgetragen. Und ich merke, wie mich das extrem unlocker macht. Im Gespräch gelingt es mir immer nach zwei Sätzen „meine Sprache“ zu finden und dabei zu bleiben, mit den vielen Breaks kommt es mir holprig vor. Zudem springt der Blues in etwas 20 Metern Entfernung über eine frisch gemähte Wiese und macht obszöne Gesten in meine Richtung. Nachdem ihn sonst niemand sieht, erübrigt es sich, darauf hinzuweisen, auch wenn ein Teil des Gesprächs von ihm handelt.

Am Ende des Tages bin ich platt, als hätte man mich niedergefahren, habe extreme Kopfschmerzen und will nur noch ins Bett. Morgen soll es losgehen. Ich habe kein gutes Gefühl, was den Auspuff angeht, habe außerdem das Gefühl, nichts mehr zu finden in diesem Chaos aus Ersatzteilen, Winterjacken und Hundefutter und bin meiner Meinung nach weit weg von „bereit zum Losfahren“.

Tag 4 – Vom Fahren und Bleiben

Ich wache früh auf. Draußen ist es wieder Sommer, aber frisch gewaschen. Der Drehtag gestern war himmelblau und am Ende des Tages gab es ein heftiges Gewitter, das vom Gletscher talauswärts gebraust ist. Ich trage meine fertig gepackten Taschen runter, verstaue sie und frage mich, was ich mit all dem Zeug eigentlich will. Der Blues sitzt bereits am Beifahrersitz und hat eine Karte von Tschetschenien auf dem Schoß. Wir fahren an den Bodensee, sage ich. Das werden wir schon sehen, meint er.

Ich gehe wieder nach oben. Der fast beste aller Männer möchte, dass ich ihn unterstütze, sein Scanner funktioniert nicht mehr und außerdem wagt er sich zurzeit an das Experiment E-Rechnung und benötigt dazu einen Zugang, den er nicht versteht. Ich setze mich an den Computer und bis ich alles erledigt habe, ist es weit nach Mittag. Ich bekomme wieder Kopfschmerzen und der fast beste aller Männer bringt Nudeln und Weißwein. Wenn ich den trinke, kann ich nicht mehr fahren. Doch der Verdacht liegt nahe, dass das sein Plan war. Nachdem ich abgewaschen habe und von einem wohlverdienten Mittagsschlaf erwache, sitzt der Blues immer noch im Auto. Ein Gefühl tiefer Befriedigung überkommt mich und ich denke mir, dass man den echt ohne schlechtes Gewissen einfach so sitzen lassen kann.

Tag 5 – Die saturnalen Aufgaben

Es geht los. Endlich. Der fast beste aller Männer gibt noch eine Aufgabe mit. Einmal am Tag soll ich ein Gesetz brechen, damit ich lerne, nicht so saturnal zu sein. Er fordert Dinge, die mir nicht möglich sind und ich muss ihn aus seiner bunten Fantasiewelt zur Ordnung rufen. Weder werde ich aus Telefonzellen die Polizei rufen, um dann aus dem Gebüsch zu beobachten, wie sie mit Blaulicht angebraust kommen, noch werde ich den Automobilclub um Hilfe bitten, wenn mein Auto gar nichts hat. Aber ich nehme mir vor, kleinere Dinge konsequent umzusetzen, die mir das Leben leichter machen, aber eben grad nicht erlaubt sind.

Als ich endgültig losfahre, sitzt der Blues immer noch auf dem Beifahrersitz und hält leicht verkrampft die Tschetschenienkarte. Wo warst Du, fragt er. Hatte noch was zu tun, sage ich. Hättest was sagen können, sagt er. Du findest mich doch eh immer, sage ich, Du hättest also getrost was anderes machen können. Stimmt auch wieder, sagt er und will sich eine Zigarette anzünden. Ich komme ihm zuvor, schnappe mir die Zigarette und werfe sie aus dem Fenster. Hokuspokus, sagt er und hält die nächste Zigarette in der Hand. Ich bin der Blues, remember, grinst er und zündet die Zigarette an. Ich fahre einfach los, hinaus aus dem Tal, rauf auf die Autobahn und Richtung Westen. Der Auspuff blubbert und ich frage mich, was das langfristig bedeutet. So nach den nächsten 8.000 Kilometern.

Der große Berg. Ich habe heute einfach keine Lust, über den Pass zu fahren. Also der Tunnel. Es ist eine Weil her, dass ich durch den Tunnel gefahren bin und ich bin verblüfft, wieviele Tunnels ihm folgen. Dieses kleine Land scheint mir komplett untertunnelt zu sein.

Neben den Auspuffsorgen gesellen sich noch weitere Sorgen hinzu. Woher bekomme ich nun die Auspuffbandagen, die ich gedachte zu kaufen, um selbst noch einmal weiterzubasteln? Woher bekomme ich Bezinzusatz? Ich habe vergessen, welchen zu kaufen und nachdem ich nun einen Tag verspätet aufbreche, haben alle Fachgeschäfte zu. Heute ist Sonntag.

Irgendwann dann Stau, ich fahre ab und über die Bundesstraße weiter. Das ist eine coole Idee, denn hier ist zwar auch die Hölle los, aber ich finde noch eine Tankstelle. Die wissen zwar leider nicht einmal, was ich mit „Benzinzusatz“ meine, aber immerhin tanken wir voll. Weiter entlang des großes Sees. Ein Sonntag wie aus dem Bilderbuch.

Kurz nach der Grenze atme ich ganz tief durch. Mein Herz hüpft. Vor uns die Landschaft. Erst viel später, als ich die erste saturnale Aufgabe erfülle, indem ich fast einen Kilometer auf einem Radweg fahre, stelle ich fest, dass der Blues weg ist. Ich halte an und gehe einmal ums Auto, untersuche das Bett und die Ausziehschublade. Aber der Blues ist weg. So wenig braucht es. Zeit. Kilometer. Und die Freiheit, einfach zu denken, ohne etwas zu tun. Das gilt wohlgemerkt für Menschen, die Autofahren nicht als Herausforderung betrachten. Der Blues ist weg.

Tag 6, 2. September – Paul am See

Auf dem Campingplatz, auf dem ich gelandet bin, kümmert sich Herr Paul um die Zuteilung der Plätze. Nach eigenen Angaben ist er 100 Jahre alt. Er trägt dicke Brillen, Hörapparate an beiden Ohren und verwendet Zusatzsauerstoff. Das Schläuchlein führt direkt in seine Nase und wird aus einem Gefäß versorgt, das er zwischen seinen Beinen auf dem Golfwägelchen stehen hat, mit dem er herumfährt. Herr Paul steht auf alte Autos und das bringt uns sofort ins Gespräch. Außerdem hatte er bis vor einigen Jahren selbst einen Hund. Er hat als Maschinenbautechniker gearbeitet und die ganze Welt bereist, seit 38 Jahren ist er hier auf diesem Platz. Erst als Gast. Seit 14 Jahren aber arbeitet er am Campingplatz mit und wohnt mittlerweile in einem Zimmer im Schloss, das zum Platz gehört. „Ich bin Schlossherr“, lacht Herr Paul, der täglich bis acht Uhr abends arbeitet und den ich heute, nachdem ich viel zu früh wach geworden bin, um halb neun Uhr früh schon wieder herumfahren sehe.

Herr Paul fährt einen 19 Jahre alten BMW, den er um kein Geld der Welt hergeben würde. Neue Autos findet er richtig scheiße, denn da kann man nicht einmal selbst eine Lampe wechseln. Meine Red‘.

In der Nacht hat es geschüttet wie aus Kübeln und ich habe trotzdem fast 12 Stunden geschlafen. Gestern Abend waren wir noch am See und ich bin mit Wanda an den Strand gegangen, an dem Hunde nicht erlaubt sind. Also habe ich meine saturnale Aufgabe für heute bereits erfüllt, finde ich. Und so fahren wir weiter, Richtung Frankreich. Erst ein großes Stück auf der Autobahn. Autobahn fahren ist so eine Art kontemplative Tätigkeit, in der die großen Geschichten entstehen können. Das tun sie heute auch und so stehe ich plötzlich prompt vor der Entscheidung, ob ich an meiner Ausfahrt bereits vorbeigefahren bin oder nicht. Ich navigiere immer noch mit Karte, wenn es irgend geht. Der kleine Quatschkasten, der hier Datenmengen verbraucht, die ich nicht durchschaue, ist mir nicht geheuer. Kann sein, dass sich das noch ändert. Die Entscheidung, abzufahren war falsch, bringt mich aber auf die Idee, in Donaueschingen stehenzubleiben. Wenn wir schon mal hier sind. Immerhin entspringt hier die Donau!

Donaueschingen bekommt gerade eine neue Umfahrungsausbaustufe, was dazu führt, dass zwei Abfahrten in das Städtchen gesperrt sind und wir eine Stunde durch die Pampa kreisen, bis wir endlich ankommen. Parkplatz ähnliches Thema. Aber schließlich finden wir eine Parkmöglichkeit in einer Nebenstraße und machen uns auf den Weg. Wanda und ich. Den Ursprung der Donau will nicht nur ich sehen, unzählige Menschen stehen staunend über dem eingefassten Becken. Hier kommt sie also raus. Wahrscheinlich würde das hier nicht so zahm aussehen, wenn man es gelassen hätte, wie die Natur sich das gedacht hat, denn wenige Kilometer weiter ist die Donau bereits ein stattliches Bächlein mit über zwei Metern Breite.

Donaueschingen ist ein Kurort, wie es aussieht. Bevor ich weiterfahre, gönne ich mir also einen Kaffee in einem Kurcafe und muss zu meinem Bedauern wieder einmal feststellen, dass unsere deutschen Freunde vieles können, Autos bauen, Bier brauen und Schuaplattln, aber Kaffee kochen können sie nicht. Offenbar nirgendwo zwischen Bayern und Hamburg, wie meine langjährige Recherche bis dato ergeben hat. Ab Hamburg geht’s dann.

Gestärkt durch die durchsichtige Plörre beschließe ich nun, doch die kleine Quatschtante einzuschalten, denn ich möchte unbedingt noch ein Verlängerungskabel kaufen. Ich habe festgestellt, dass meines im Zuge meiner USA Vorbereitungen in irgendeinem Umzugskarton verblieben ist. Superkleber habe ich schon besorgt, denn meine Gardinenlösungen halten nicht bei der Hitze und so beschieße ich, die Klettverschlüsse mit Klebstoff nachzubessern. Wird zwar langfristig die Scheiben versauen, ich weiß aber im Moment nicht, wie ich mir behelfen kann. Und dann der Benzinzusatz. Die Quatschtante lotst mich zielgenau nach Offenburg, wo ich direkt an der Straße einen Baumarkt entdecke. Dort bekomme ich mein Kabel und die Auskunft, dass es hier einen ATU gibt. Den lasse ich mir von der Quatschtante bestätigen. Wir umkreisen das Einkaufszentrum, in dem sich der Baumarkt befindet, satte dreimal auf verschiedenen Routen, dann schickt sie mich diretissima über den Rhein. Also nichts mit ATU und Benzinzusatz.

Nach der Grenze kommt eine BP Tankstelle. Da spricht man zwar nicht mehr deutsch, doch es gibt den vermaledeiten Benzinzusatz, den ich seit knapp 400 Kilometern zu erwerben suche. Mit dem Verkäufer, dem ich mein BP Vorzeigefläschchen zeige, unterhalte ich mich eine Weile über „Gasole“ und „Essence“ und dass das ganz sicher Bleiersatz ist. Er findet das richtig cool, dass ich tatsächlich ein Original BP Fläschchen mitgebracht habe. Mit Händen und Füßen und meinem Bauarbeiterfranzösisch komme ich ganz gut weiter, wenn es um Autozubehör geht.

Tag 7 und 8, 3./4. September
Brot und Pizza

Der Campingplatz, auf dem ich gestern gelandet bin, liegt am Rand des Nationalpark Vogesen. Wo ich mir schroffe Berge und wilden Wald vorgestellt habe, warten sanfte Hügel und schmucke Dörfchen auf mich. Achja. Das sind ja die Vogesen… langsam dämmert es mir wieder, die Motorradreisen vor knapp 30 Jahren…

Hier ist alles extrem gechillt. An sich wollte ich nur zwei Nächte bleiben, doch schon heute Morgen nach dem Aufwachen ist klar, dass ich auf jeden Fall vier bleibe. Das Netz auf meinem Platz ist mittelmäßig, aber zum Arbeiten reicht es. Wie wenig Bandbreite ich habe, stelle ich dann erst am Abend fest, als ich versuche, Bilder auf meine Website hochzuladen und fast irre werde. Dann denke ich mir aber, sich vom Internet tyrannisieren zu lassen, so weit kommt es noch. Ich sitze also in der Abendsonne und sehe zu, wie meine Bilder im Schneckentempo in die Weiten des Netzes blubbern. Oder auch nicht.

Weltklasse Hundewiese gibt es hier!

Meine Nachbarn sind Niederländer, so wie die meisten Besucher auf diesem Platz, und am Abend fragen sie mich, ob ich noch was von ihrer Pizza will, sie haben zu viel gekauft. Die Pizza duftet viel zu gut, um nein zu sagen und so mache ich mich im Licht der untergehenden Sonne daran, die kleinen Schinkenstückchen herauszupicken, die sich unter dem Käse verstecken. Vermutlich fühlen sich Hühner so wenn sie richtig Hunger haben und dann kommt so ein Depp und glaubt, sie finden das cool, wenn man ihnen das Futter kreuz und quer über den Hof streut. Vielleicht verkenne ich die Hühnerseele aber auch völlig und das ist ganz anders. Wer weiß. Kaum habe ich am nächsten Morgen meinen ersten Kaffee aufgegossen, steht mein Nachbar wieder da. Ob ich ein Baguette haben wolle, er habe zu viel gekauft. Ich nehme das Baguette dankend an und prüfe erst mal, ob ich in irgendeiner Weise bedürftig aussehe. Vielleicht sollte ich mal wieder duschen. Oder ein frisches T-Shirt anziehen? Nein, lieber nicht. Denn heute wollen wir den Wanderweg versuchen, der an der Trasse der Eselbahn entlangführt. Die Eisenbahnlinie gibt es nicht mehr, doch einige alte Bahnhöfe sollen noch zu besichtigen sein. Bei knapp 28 Grad starte ich also los, hinein in den Wald.

Die Wanderung ist märchenhaft und in genau drei Stunden begegnet mir genau ein einziger Mensch. Was mir auch nicht begegnet, sind die versprochenen „gare ancienne“. Die sind nämlich einfach nicht zu finden. Vielleicht sind sie so „ancienne“, dass sie bereits zu Staub zerfallen sind? Oder ich bin einfach unfähig, touristische Anziehungspunkte zu finden? Bin ich nicht, stellt sich nach meiner Ankunft heraus, denn mein niederländischer Nachbar hat sie auch vergeblich gesucht. Er ist Versicherungsvertreter und in der wunderbaren Lage, satte drei Wochen am Stück verreisen zu können, ein Luxus, um den ihn jeder beneide, erzählt er mir. Auf die Frage, wieviel Zeit ich zur Verfügung habe, traue ich mich kaum zu antworten. Dem Mann bleibt der Mund offen stehen und er will unbedingt wissen, was ich genau mache und wie ich das hinkriege. Ich versuche, das zu erklären. Aber bei der Erklärung meiner selbst verstehe ich oft selbst nicht mehr, wie ich was mache.

Am Abend holpert das Internet extrem und ich bin zu einem Skype verabredet. Ich denke also, ich sause mal in die Bar hinunter, denn dort ist der Empfang garantiert super. Ist er auch. Aber leider saugt mein neues Notebook wesentlich mehr Strom, als man glauben möchte und mein Stecker passt nicht zu der französischen Steckdose. Also laufe ich zum Auto und suche meinen Adapterstecker, leider ohne Erfolg. Noch 20 Minuten bis zum Skype. So ein Ärgernis. Dann fällt mir ein, dass mein altes Notebook das ich ersetzt habe, weil der Aku so schlecht beinander ist (haha), einen schmalen Stecker hat. Packe also beides ein und sause wieder in die Bar. Super, das Ding lädt. Und verlangt nach unzähligen Updates, denn es war ja einen Monat nicht in Betrieb. Ich verschiebe das auf Morgen und richte Skype ein. Die andere Maschine soll inzwischen meine Buchdaten an die Druckerei hochladen, geht aber voll in die Knie. Und so sitze ich hier in der Bar, mit zwei Notebooks vor mir, einem Smartphone, das sich weigert, in das Campingnetz einzusteigen, Kopfhörern auf und einem Stapel Zeugs vor mir. Man könnte meinen, ich sei ein Bookie.

Tag 9 bis 12 – On the road to nowhere

Ich schaffe es nicht, mich in einen vernünftigen Arbeitsrhythmus einzufinden. Fühle mich immer noch ständig an der Grenze, die viele Maschinerie, die ich mitgebracht habe, erdrückt mich und die viele Arbeit auch.

Am Freitagmorgen fahren wir weiter Richtung Luxemburg. Zuerst zu dem Einkaufszentrum, in dem wir schon mit dem Fahrrad waren. Dort bunkere ich Wasser und frisches Gemüse, Brot habe ich schon beim Bäcker gekauft. Dann noch Altglas entsorgen und zur Tankstelle. Zunehmend werden diese Einkaufszentren so etwas wie übermodernisierte Dorfzentren. Hier gibt es sogar einen Waschsalon an der Tankstelle. Alles automatisch, alles unbemannt. Das führt auch dazu, dass ich nicht tanken kann, weil die Zapfsäule sich gegen meine Karte weigert. Die Eingabe von Bargeld ist nicht mehr vorgesehen. Szenen aus „1984“ ziehen in meinem Inneren vorüber. Als ich wieder einsteige und anstarte, meldet sich der Auspuff mit wirklich hässlich lauten Geräuschen. Am Beifahrersitz hockt, eingeklemmt zwischen Hundekorb und Zelt, der Blues. Er hält eine rechtschaffen zerknitterte Karte in der Hand und grinst. Ich sage nichts.

Während ich losfahre, hinaus auf die N4, faltet er bedächtig die Karte auseinander. Es ist immer noch Tschetschenien. „Nach Russland fahr ich nicht“, sage ich. „TSCHE TSCHE NIEN“, sagt der Blues und zündet sich eine Zigarette an. Das dürfte er beim Studieren der Karte bereits oft gemacht haben, denn die ist übersät von Brandlöchern. „Warum bist Du hier?“, frage ich. „Ich finde, dass ein Mensch, der ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er an einer komplett leeren Tankstelle eine Zapfsäule blockiert, nicht ohne Blues reisen soll“, merkt er an, „ich finde, dass ein Mensch, der es als Gesetzesbruch betrachtet, wenn er seinen Hund in den Supermarkt schmuggelt, nicht ohne Blues LEBEN soll, ich habe noch tausend andere Gründe parat, das Ergebnis lautet immer, Du bist prädestiniert für ein Leben mit dem Blues“. Dann beginnt er zu lachen, wieder einmal erheitern ihn seine eigenen Ausführungen so sehr, dass er kaum mehr zu beruhigen ist.

Einige Kilometer später stelle ich fest, dass Luis nicht da ist. Luis ist ein fünf Zentimeter großer Teddybär, der seit langer Zeit mit mir reist. Und jetzt ist er nicht da. Ich halte an der nächsten Gelegenheit und beginne, das Auto auseinanderzunehmen. Ein fünf Zentimeter großer Teddy in einem voll geräumten VW Bus… fünfzehn Minuten später habe ich ihn. Und stelle bei der Gelegenheit fest, dass Wandas Trinkflasche nicht da ist. Ich denke ein wenig nach, die kann nur am Campingplatz geblieben sein. Also drehen wir um und fahren zurück. Dort liegt die Flasche neben dem Tisch, an dem ich gestern Abend zum Essen saß. Der Blues ist nun außer sich, die Tränen rinnen über sein Wangen und er krächzt nur noch, „Ein Mensch, der mit einem fünf Zentimeter großen Teddybären durch die Gegend fährt“. Ich versuche, ihn zu ignorieren. Der blöde Sack macht sich jetzt auch noch ein Bier auf, ich stelle fest, dass es eines von meinen ist, und mir kommt vor, dass es für mich eindeutig zu früh ist.

Über Nebenstraßen fahren wir Richtung Metz, auf und ab geht es durch Weizenfelder und kleine Wäldchen. Um dem heutigen saturnalen Auftrag gerecht zu werden, fahre ich über zwei doppelte Sperrlinien, als ich mich einmal kurz verfahren habe und umdrehen muss. Hätte ich im Normalfall nie gemacht, da wäre ich die nächsten zehn Kilometer gradaus gefahren, um eine Wendemöglichkeit zu finden. „Ein weiterer Grund, niemals ohne Blues zu reisen“, beginnt der Blues und ich unterbreche ihn. „Kannst Du neuerdings auch Gedanken lesen“, frage ich. „Neuerdings“, seufzt er, „wenns doch erst seit neuerdings wäre.“

Ich schweige. Hoffe, dass der Blues in Luxemburg einfach verschwunden ist. Hier hat es mir immer so gut gefallen, hier ist kein Platz für den Blues. Das Loch im Auspuff macht mir enorme Sorgen. Das leichte Schabgeräusch, das ich am Morgen gehört habe, auch. Das erste Mal habe ich es darauf geschoben, dass ich auf Schotter gewendet habe, doch kurz darauf tauchte das Geräusch auch auf Asphalt auf. Immer, wenn es um Carissima geht, geht die Fantasie mit mir durch. Unvorstellbares wird dort unten auf mich warten und doch muss ich in Luxemburg einmal unters Auto und feststellen, was da los ist. In Luxemburg finde ich tatsächlich den von mir geliebten Campingplatz. Aus einem mir unerfindlichen Grund ist hier aber die Hölle los. Der Blues lässt ein Bein aus dem Beifahrerfenster hängen, raucht und lässt sich von mir auf den zugeteilten Platz chauffieren. Mittlerweile hat er meinen Biervorrat geleert und blickt mit einem fröhlichen Lächeln und glasigen Augen an. „Schön ist’s mit Dir“, lallt er. Ich kann es nicht fassen.

Ich bin fertig mit der Welt und gehe mit  Wanda im Wald spazieren. Erst einmal habe ich hier für zwei Nächte bezahlt, ich weiß noch nicht, was ich vorhabe, irgendwann, soviel ist sicher, muss ich den Auspuff checken. Am nächsten Tag beginnt es zu regnen. Es hat nur noch 12 Grad und ich schlottere. Der Blues beginnt gegen Mittag zu nörgeln, weil kein Bier mehr da ist. „Geh doch zu wem anderen, hier sind eine Million Menschen auf dem Platz“, sage ich zu ihm. Er schlurft davon. Kurze Zeit später streiten meine Nachbarn lautstark. Wo der Blues auftaucht, wird es unangenehm. Wenn man zu zweit ist, äußert sich das meist in Streit, denn wer kann schon seine Befindlichkeiten a erkennen und akzeptieren, wenn praktischerweise ein zweiter Mensch in der Nähe ist, auf den man sämtliche Unwohlgefühle schieben kann?

Ich stelle fest, dass ich, so wie ich jetzt stehe, kein Internet habe. Das liegt daran, dass Carissima jede Form von Internet perfekt abschottet und ich genau so geparkt habe, dass kein Fenster in Richtung Wifi Point zeigt. Wenn ich also arbeiten möchte, was zurzeit nicht im Freien möglich ist, muss ich das irgendwann tun. Es nervt. In einer Regenpause mache ich es trotzdem. Stecke den Strom ab. Nehme die Sonnenblende von der Frontscheibe, klappe das Fahrrad hoch und drehe um. Nun bin ich das erste Fahrzeug in der Reihe, das mit der Schnauze nach vorne parkt und alle, die nun ankommen, tun es mir gleich. So ist das auf Campingplätzen. Ich denke mir, wie einfach es ist, die Richtung zu wechseln und dass das manchmal im wirklichen Leben auch ganz einfach wäre, wenn man nur in die Gänge kommt, den Strom absteckt… und so weiter.

Der Nachbar, der kurz darauf ankommt, hat ein funkelnagelneues Wohnmobil und ist wahnsinnig stolz darauf. Er will viele Dinge über Carissima wissen, die seit Ankunft des Blues beharrlich schweigt. Als er am nächsten Tag abgereist ist, fällt mir ein, dass er vielleicht gerne gehabt hätte, dass ich auch etwas zu seinem Auto frage. Das wäre mir nicht in den Sinn gekommen, irgendeine neue Karre halt. Jetzt tut er mir leid. Aber ich denke, am nächsten Campingplatz wird er jemanden treffen, der netter ist als ich und das tröstet mich.

Es regnet immer noch. Der Blues hockt auf dem Bett und raucht. Neben dem Waschhaus liegt ein toter Vogel. Es ist eine Kohlmeise und sie tut mir unglaublich leid. Was wohl passiert ist? Gott, ist das alles deprimierend hier.

Am nächsten Tag gehe ich an die Rezeption und verlängere um zwei Nächte. Am Nachmittag kommt die Sonne heraus und ich packe meine Reparaturmatte aus, Arbeitshandschuhe, Werkzeug und Auspuffreparaturset. Taschenlampe, Schutzbrille, Drahtbürste. Lese mir die Gebrauchsanweisung noch einmal durch und suche dann noch ein Video auf Youtube, damit ich nur ja nichts falsch mache. Dann lege ich mich unters Auto. Hm. Der Riss am Endtopf ist größer geworden und dort, wo der fast beste aller Männer mit der Auspuffbandage gearbeitet hat, sehe ich nun bei Tageslicht einen weiteren Riss, der ihm wohl entgangen ist. Da komme ich mit Bandagen nicht mehr weiter. Also Auspuffzement. Die Konsistenz der Masse ist ganz anders, als ich erwartet habe und ich habe Mühe, das Zeug halbwegs vernünftig auf den Rissen zu verteilen. Wenn das mal hält.

Was mich immer wieder fasziniert ist, dass es mich unglaublich beruhigt, unterm Auto zu liegen. Ich stelle fest, dass nichts so schlimm ist wie in meiner Fantasie. Hier unten ist an sich alles normal. Der Auspuff hält, da hängt nichts runter und bis auf den leichten Ölverlust sieht sonst auch alles normal aus. Warum rege ich mich also immer so auf? Ok, das Schaben muss beobachtet werden. Aber aus der Sicht vom Boden aus, was soll sein? Ich bin sehr beruhigt, handle mich wieder heraus und räume mein Werkzeug auf. Den Draht, den ich mir vorsorglich an der Rezeption geborgt habe, kann ich zurück bringen.

Ein Brite, der neben mir parkt, fragt, ob ich Hilfe brauche. Er meint, eine Konservendose kann man immer zum Reparieren eines Auspuffs verwenden. Ich speichere die Information, kann ich später vielleicht noch brauchen. Ich vergesse das regelmäßig: Auf einem Campingplatz ist man nie allein. Hier wartet an jeder Ecke Hilfe. Männer, denen unglaublich fad ist im Urlaub, Menschen, die gerne reden und Alleinreisende, die das eigentlich gar nicht gern tun. Es tut gut, dass diese Menschen einfach auf einen zugehen. Das gefällt mir.

Tag 13, 9. September

Gestern bin ich völlig k.o. ins Bett gefallen. Als ich aufwache, ist es bereits halb zehn und der Himmel draußen ist blitzblau. Alles sieht frisch gewaschen aus. Heute, endlich, geht es nach Luxemburg. Mit Wanda im Rucksack schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre los. Das letzte Mal war ich 2017 in Luxemburg Stadt und es hat mir sehr gut gefallen, ich hatte das Gefühl, mich auszukennen und fand die Stadt bezaubernd. Dieses Mal fällt es mir schwer, mich einzufinden. Die Stadt kommt mir unglaublich laut vor, überall wachsen Baukräne aus alten Häusern. Es wummert. Ich finde nichts mehr. All die Wege, die ich damals spaziert bin, erschließen sich nicht mehr. Sehr sonderbar.

Doch dann, auf einmal ein Schild vor mir „Tilleschgaass“. Das ist die Gasse, in der der Romanheld Xavier Kieffer wohnt, wegen dem ich eigentlich damals nach Luxemburg gekommen bin. Und nun liegt auf einmal der gesamte Romanschauplatz vor mir. Die Gasse. Der Stadtteil Grund. Der Bockfelsen. Die Kasematten. Ich freue mich wie ein Kind und Luxemburg beginnt, sich mir wieder zu öffnen.

Als ich nach vielen Stunden wieder auf den Platz komme, ist der Blues weg. Ich schenke Carissima ihren ersten Magneten auf dieser Reise, alle anderen habe ich im Glauben, nach Kanada zu reisen, abmontiert und in meinem Lager verstaut. Dann gehe ich zum Waschhaus und begrabe den Vogel.

„Ich glaube, nun kann’s endlich losgehen“, sage ich zu Carissima. „Na endlich“, sagt sie, „ich dachte schon, ich komme überhaupt nicht mehr zu Wort“.

Wir bleiben noch einen ganzen Tag in Luxembourg, entdecken neue Wege im Wald und ich packe alles zusammen. Wohin es morgen gehen soll, weiß ich noch nicht genau, es wird davon abhängen, wie lange ich für die vormittäglichen Einkäufe brauche.

Tag 15, 12. September

Als ich Carissima starte, ist alles so laut, dass ich nicht feststellen kann, ob meine Auspuffreparatur was gebracht hat. Das ist immer so, wenn wir einige Tage bei Kälte stehen. Und kalt war es, lieber Gott. Daunendecke, Schlafsack und Standheizung mussten zum Einsatz kommen. Wir klappern also auf die Autobahn und ich genehmige uns eine halbe Stunde Fahrtzeit bei moderaten 80 km/h. Zum Einkaufszentrum. Dort stelle ich fest, dass ich einfach nicht ohne Kaffee starten soll. Benommen torkle ich durch die Gänge eines Lebensmitteldiskounters und suche Bio Gemüse und Tofu, Wasser und Bier.

Ich schleppe mich mühsam zurück zum Auto, wo das Hündlein warten musste. Dann gehen wir in das schicke Einkaufszentrum und ich kriege endlich meinen Kaffee. Und ein fettes Croissant. Wanda wird auf der Stelle wieder zum Liebling aller und Kaffeehausbesucher wie auch Menschen, die beim Optiker warten, kreischen los, weil sie so süß ist. Vor dem Supermarkt im Einkaufszentrum hat ein Weinhändler seinen Stand aufgebaut und ich kann ohne Druck, dass das Hündlein einsam im Auto sitzt, Wein aussuchen. Das ist gut. Denn seit ich kaum mehr was rieche, ist der Weingenuss nur noch halb so schön und aus mir, die ich einmal jedes Zipperlein an Geruch wahrnahm, ist ein Mensch geworden, der alles trinken kann. Das möchte ich auf dieser Reise ändern, ich will wieder riechen. Und so suche ich einige Weine aus, die ich kenne, einige, die ich nicht kenne und freue mich schon, deren Gerüche zu erkunden.

Vollgepackt bis obenhin starten wir los Richtung Frankreich. Vor Übertritt der Grenze noch einmal tanken. Mit feuchten Augen starre ich auf die Anzeige, die den Liter mit 1,27 Euro ausweist. So billig werden wir nun einige Monate nicht mehr tanken. God bless Luxembourg.

Die Landschaft liegt vor uns. Flaches Land, Weizenfelder, kleine Wäldchen, Weiden. „Stell Dir vor“, sage ich, „wir haben eine erste Leseranfrage bekommen!“ „Wow, cool“, sagt Carissima. Ich bin so unglaublich froh, dass sie wieder spricht. „Ja, sage ich, da fragt jemand, wieso wir den Auspuff nicht vor der Abreise repariert haben“. Ich spüre das Schweigen. Etwas zittert leicht unter mir. Wir fahren mit 70 km/h durch die Landschaft. Endlich prustet sie los. „Hahahahahahahaha.. wieso wir… nicht… hahahahaha…“, kreischt Carissima. Ich stimme ein, kann mich kaum mehr halten. „Ja, als hätten wir das absichtlich gemacht… um eine gute Story zu erzählen!“ „Hahahaha… ja, eine gute Story“, lacht Carissima. Dabei ist die Auspuffsache aufgetaucht, als wir bereits absprungbereit waren und unser bester aller Mechaniker auf Urlaub. Das sind die doofen Zufälle, die mein Leben an Murphies Law angleichen. Wir kreischen und schreien noch ungefähr 30 Kilometer vor uns hin, dann ist die Straße gesperrt und wir werden umgeleitet, durch winzige Dörflein und über kleine Sträßchen. Irgendwann ist da ein Bäcker und ich bleibe stehen, um frisches Baguette und Vollkornbrot zu kaufen. Das Brot ist noch warm und ich könnte heulen vor Glück.

Für mich ist es klar, unser Ziel für heute lautet Verdun. Die Stadt ist – abgesehen von einigen Schlachten im ersten Weltkrieg und dem berühmten Vertrag – nicht der Rede wert. Aber ich kenne den Campingplatz und der ist ein Ort des Friedens. Und so fahren wir, über kleine Dorfstraßen, vorbei an unendlich großen Soldatenfriedhöfen, zum Platz des Friedens. Skurril, denke ich.

Jezt wird’s langsam ziemlich lang zum Runterscrollen, nicht wahr? Ich mache eine neue Seite. Ab Morgen 😉

Und hier geht es weiter!