4 – Schottland!

18. Mai 2018

Ja, und so ist das jetzt eine Woche fast jeden Abend gelaufen. Der Blues hat sich immer breiter gemacht. Mein Bier aus dem Kühlschränkchen getrunken, die Sandwichs für die Mittagspause schon am Vormittag verdrückt und dabei das Bett vollgebröselt. Alles, was man sich nicht wünscht. Und diese dauernden Analysen! Das hat er früher nicht gemacht. Da hat er einfach nur Bier getrunken. Ich fahre also durch die sicher aufregendsten Landschaften Europas und kann mir das die ganze Zeit anhören. Er kramt in meiner Vergangenheit, holt alles hervor, was ich nicht mehr hören mag und nervt von früh bis spät.

Und das, während ich im Linksverkehr nach Alnwick fahre, dort feststellen muss, dass Hunde weder im Schloss noch im Garten erlaubt sind und somit den Besuch von Alnwick, also Hogwarts, knicken kann. Zum Glück habe ich einen kleinen Weg neben einer Brücke entdeckt, der entlang eines Flüsschens direkt zum Schloss führt. Und so erleben wir das Schloss am frühen Morgen aus einer ganz anderen Perspektive und ich freue mich wie ein Kind, dass ich es sehen konnte.

 

Dann geht es weiter Richtung Schottland – heute werden wir die Grenze passieren! Und diese Grenze, die erreicht man, wenn man von Alnwick auf die 697 fährt und dann Richtung Coldstream. Das ist auf dieser Route der erste Ort in Schottland. Ich freu mich über die Tafel am Straßenrand und der Blues öffnet das Fenster und schüttet den vollen Aschenbecher raus. Geht’s noch, rufe ich entrüstet. Was denn, war ja noch in England, sagt er und zündet sich eine neue Zigarette an. Die Schotten wären stolz auf ihn, denke ich mir und hoffe, dass ich ihn in Bälde in einem Pub vergesse.

Über Kelso fahren wir Richtung „Scott’s View“, einem legendären Aussichtspunkt, der von dem berühmten Schriftsteller Sir Walter Scott immer wieder erwähnt wurde. Vorher bleiben wir noch bei einem Turm stehen, von dem aus man einen prächtigen Blick in die Landschaft hat. Alles ist so wunderschön! Wenn nur der blöde Blues nicht immer noch ein paar Schritte hinter uns herschleichen würde.

 

Weißt Du, Du musst Dir da wirklich keine Sorgen machen, sagt Carissima. Keiner ist zum Unternehmer geboren, ich meine, wie lange gibt es dieses Konzept denn schon? Woher soll ein Mensch all das kapieren, was man heute wissen muss, um irgendwie durchzukommen? Da bist Du doch nicht allein damit. Und hej, wenn alle Stricke reißen, dann kannst Du doch Autos reparieren. Ach, seufze ich, wenn ich das nur wirklich könnte. DAS ist ein Beruf mit sicherem Boden! Aber Schreiben! Schreiben kann ja grundsätzlich jeder, zumindest glauben die Menschen das. Und das macht alles ein bissi schwierig. Und doch weiß ich, das sind jetzt die Gedanken, weil der Blues da ist. Wenn wir es schaffen, ihn loszuwerden, wird alles wieder völlig anders aussehen. Zumindest war das bisher immer so.

Vorher aber noch wird der olle Blues noch einmal so richtig bestätigt. Weil ich unbedingt auf einen vom Lonely Planet empfohlenen Campingplatz in Peebles möchte. Dort angekommen, sehe ich mich mit einem horrenden Stellplatzpreis von 28 Pfund konfrontiert, der durch nichts gerechtfertigt ist. Ich bin aber so k.o., dass ich einfach nicht mehr weiterfahren kann. Die Dame an der Rezeption weist mir einen kleinen Eckstellplatz zu und ich muss unweigerlich an mein Erlebnis am Gardasee vergangenes Jahr denken, das war ähnlich übel. Nur diesmal sind wir auch noch direkt neben dem Kinderspielplatz, auf dem Halbwüchsige bis Mitternacht herumtoben. Ich sitze völlig platt auf meinem Klohocker und der Blues kann sich vor Lachen kaum auf meinem Campingstühlchen halten. Das ist das Beste, das Du je geliefert hast, prustet er und macht sich noch ein Bier auf. Jetzt halt aber mal die Klappe, fährt ihn Carissima an, früher hast Du doch auch nichts gesagt! Früher war’s auch nicht so geil komisch, lacht der Blues und verschüttet die Hälfte seines Biers über seine Hose. Jetzt kannst Du im Sandkasten schlafen, sage ich. Nein, sagt er, ich werde hier eindeutig noch gebraucht, und lacht wieder aus vollem Hals.

 

19. Mai oder wie ich am Parkplatz der Königin übernachtet habe

Als ich heute Morgen losfahre, komme ich direkt an dem vom Lonely Planet empfohlenen Campingplatz vorbei. Ich könnte schreien. Drei Kreisverkehre später muss ich umdrehen, weil ich noch Bargeld brauche. Also zurück ins Stadtzentrum von Peebles, wo es prompt zwei Filialen der „Royal Bank of Scotland“ gibt.

Dann geht es ab Richtung Edinburgh. Ich bin schon sehr gespannt auf die Brücke über den „Firth of Forth“, das ist die Meereseinbuchtung zwischen Edinburgh und Inverkeithing. Ich finde die GoPro nicht, der Blues lacht sich krumm und ich filme die Überfahrt mit meiner kleinen Kamera. Es ist bemerkenswert, unglaublich und außerdem ist die Brücke, über die wir fahren, nicht die einzige. Ich muss also sofort von der Autobahn runter, um noch eine andere Brücke zu nehmen, verfahre mich großartig und lande in einem kleinen Fischerdorf, in dem ich erst mal mit Wanda spazieren gehe. Wenn man einen Hund hat, hat man immer einen Grund, irgendwo stehen zu bleiben und es dort toll zu finden. Für einen Hund langt ein kleiner Park und man findet das dann mit ihm toll. Nach weiteren drei Runden um die Autobahnauffahrt streift mich die Erkenntnis, dass die anderen Brücken vielleicht gar nicht für Autos sind und ich lasse das mit meiner Suche gut sein.

„Die Brücke, über die wir gefahren sind, wurde erst 2017 eröffnet und heißt Queensferry Crossing“, sagt Carissima ein paar Kilometer später, „und sie ist die längste Schrägseilbrücke der Welt. Über den Firth of Forth führen noch die weltberühmte Eisenbahnbrücke, die Forth Bridge, über die täglich über 200 Züge fahren und die Forth Road Bridge. Firth heißt übrigens so viel wie Fjord“. Äh, warum hast Du das nicht vorher erzählt, frage ich. Ich musste erst nachdenken, sagt sie. Wir fahren auf der Autobahn weiter Richtung Perth, bleiben nur kurz in Kinross stehen. Dort gibt es den Loch Leven mit einem tollen Naturschutzgebiet, das wir nur kurz besuchen. Habe ich schon erzählt, dass es kalt geworden ist? In Alnwick hatten wir 0 Grad in der Nacht. Heute Tageshöchstwerte von 15 Grad. Wir fahren die sehr bekannte Route 93 in die Highlands, die Straße führt am Cairngorms National Park entlang über einen Pass, auf dem sich ein Schigebiet befindet. Sieht ähnlich aus wie in Obertauern, jetzt im Sommer. Also schiach. Der Wind kachelt über die Hochebene und auf den Hügeln liegt noch Schnee. Die höchsten Gipfel liegen auf knapp 1200 Meter.

Abgesehen von dem Schigebiet ist es atemberaubend schön! Ich habe für heute noch keine konkreten Pläne gemacht. Bleibe immer wieder stehen, schaue mir das Schauspiel aus Wind, brauner Heidelandschaft und Wolken, die im Affentempo weiterziehen an und denke mir, vielleicht bleibe ich in Braemar stehen, da gibt es einen Campingplatz.

 

Catherine, eine Frau, die ich in Alnwick kennen gelernt habe, hat mir gesagt, die Sommerresidenz der Queen müsse ich unbedingt ansehen. Außerdem dürfe man da campen, was ich kaum glauben kann. Das Wetter ist, obwohl es sehr windig ist, viel besser als die Vorhersage behauptet hat und wir kommen gut voran. Der Campingplatz in Braemar gefällt mir überhaupt nicht und so beschließe ich, einfach weiterzufahren und lande in Balmoral Castle. Die Sommerresidenz der Queen. Am Eingang sagt man mir, dass Cafe und Ausstellungsräume in einer Stunde schließen würden, doch im Park dürfe man so lange bleiben, wie man möchte. Sehr ungewöhnlich. Vermutlich ist das der best bewachte Park der Welt und darum geht das?

Egal. Wanda darf sogar in die alterwürdigen Hallen, sprich, den einzigen Raum des Schlosses, den Besucher betreten dürfen. Da sind einige Dinge aus dem königlichen Alltag ausgestellt. Der Park ist aber wunderbar. Einfach wunderbar. Blumenbeete, Gemüsebeete, kleine Teiche und Rhododendron, der gerade zu blühen beginnt, riesige Grasflächen und ein Spazierweg am Fluss Dee entlang. Wanda saust voller Freude herum, sie findet das mega. Als wir zwei Stunden später wieder beim Auto sind, habe ich beschlossen, hier zu bleiben. Außer mir sind noch drei andere Camper da und es gibt eine super saubere, beheizte Toilette, die 24 Stunden geöffnet hat. Als sich der Parkplatz dann geleert hat und nur noch einige große Jeeps zurück zum Schloss fahren, wird es doch ein wenig entrisch und den Gang zur Toilette hätte ich mir ohne Hund gespart. Aber mit einem tapferen Bewacher wie Wanda geht das natürlich dann doch. Wanda lernt sogar noch einen anderen Hund zum Spielen kennen.

 

Am nächsten Tag gehe ich zum Kaffee trinken in den Souvenirladen. Es ist halb zehn und obwohl er erst ab 10 auf hat, winkt mich die sehr freundliche Dame hinein. Herrlich warm ist es da, mit Teppichboden und Automatenkaffee, den man echt trinken kann. Und ich erfahre ALLES, was ich wissen will. Also. Die königliche Hochzeit, die ja gestern war, war AMAZING! Die Braut hatte zwei Kleider, eines für den Tag, eines für den Abend. Der Park mit Schloss hier kann von April bis Juni besucht werden. Dann ist Schluss, weil die ROYAL FAMILY Mitte Juli anreist und in wechselnder Besetzung bis Oktober bleibt. Danach gibt es so etwas wie einen Winterbetrieb für Besucher. Wenn die königliche Familie NICHT da ist, ist das Parken gratis und man darf darum campen. Wenn sie da ist, kostet der Parkplatz. Denn dann ist der Parkplatz voll, erklärt mir die Dame, weil alle die Queen sehen wollen. Vor allem am Sonntag! Denn am Sonntag, da fährt die Queen mitsamt Familie in die Kirche hier im Dorf und wenn man dann am Parkplatz steht, dann kann man sie sehen. GARANTIERT.

Zum Abschluss bekomme ich noch einen Stapel Broschüren, was ich sonst noch so ansehen kann in der Gegend und dann fahre ich weiter. Verwirrt ein wenig. Aber sehr angetan von dieser hochmotivierten Frau. Als ich aus dem Parkplatz biege, steht der Blues am Straßenrand und zündet sich eine Zigarette an. Er war wohl am Klo, während ich Kaffee trinken war. Ich steige einfach aufs Gas. Im Rückspiegel sehe ich, wie er mir eine eindeutige Geste zeigt. Mir ist das wurscht.

 

20. Mai oder wie ich das Camping Geheimnis lüften konnte

Bei stürmischem Wind und tief hängenden Wolken fahren wir weiter nach Craigievar Castle. Dieses zuckerlrosa Schloss wollte ich mir einfach nicht entgehen lassen! Es beginnt zu regnen, doch ist es nur ein Schauer, den wir vorm Schloss im Auto abwarten. Dann starte ich, mit Regenschirm und meiner Regenjacke, die ich auf meinem ersten Schottland Trip gekauft hatte, los zur Waldwanderung um das Schloss. 1996 war das, wie gesagt, und die Jacke ist erstens pfenningguat, zweitens orange wie der Schirm und drittens so wie der Schirm heute völlig umsonst, weil kurz danach die Sonne rauskommt und es wunderbar warm wird.

 

Zwei Stunden sind wir unterwegs im Zauberwald, mit moosbewachsenen Bäumen, einem verwitterten Steinkreis und den schönsten Blicken in die ginstergelbe Landschaft. Beim Weiterfahren nach Banchory finde ich tatsächlich die Ortschaft Tornaveen, dort waren wir mal in einem herrlichen Independent Youth Hostel, dem „Wolfs Hearth“. Die Ortschaft habe ich in meiner Planung nicht mehr gefunden, weil ich sie in meinem Reisetagebuch von damals falsch geschrieben hatte. Und nun fahre ich so zufällig durch. Das „Wolfs Hearth“ finde ich aber nicht mehr. Und obwohl wir nur sehr wenige Kilometer gefahren sind, bin ich ziemlich erledigt. Kleine Nebenstraßen mit vielen Kurven, eine mittelschwere Wanderung, das kann schon reingehen. Langsam gewöhne ich mich auch dran, dass so gut wie kein Tagesplan haltbar ist, es gibt so viel zu sehen und immer ist irgendwas anders als gedacht. Und so fahre ich zu keinem der angepeilten Campingplätze, sondern weiter nach Stonehaven. Das Städtchen erscheint mir klein genug zum Wohlfühlen und nachdem die kommenden drei Tage eher regnerisch sein sollen, darf es ein Campingplatz sein.

Der sieht auch rechtschaffen fesch aus, kostet aber die Nacht 28 Pfund und ich will wissen, warum denn das so sagenhaft teuer ist. Das Paar an der Rezeption klärt mich daraufhin über Camping Clubs und Mitgliedschaften auf und somit auch gleich das Mirakel des sündhaft teuren Campingplatzes in Peebles. Wenn man nämlich Mitglied ist, zahlt man nur 16 Pfund und das ist fast die Hälfte. So ist das also, und ich jetzt Mitglied im „Camping and Caravan Club Great Britain“.

 

PS. Eines ist mir heute wieder aufgefallen: in Großbritannien werden Kirchen eher so als normale Bauwerke betrachtet. Sprich, wenn eine Kirchengemeinde sich auflöst oder eine neue Kirche baut oder was auch immer, dann kann die Kirche erworben und anderwertig verwendet werden, als ganz normales Bauwerk. Vor 22 Jahren fand ich es unglaublich cool, in einer Jugendherberge zu übernachten, die eigentlich eine Kirche war. Bis auf die Schnarchgeräusche der anderen Schlafenden, denn das hörst Du in einer Kirche so gut, frag nicht. Jetzt fand ich es aber nicht mehr so cool, zum Beispiel in einem alten kleinen Kirchlein in irgendeinem Dorf einen Coop vorzufinden. Das ist echt schräg.

 

21. und 22. Mai oder wie ich in Stonehaven gestrandet bin

Dieses Städtchen ist einfach o.k. Zugegebenerweise würde ich hier nicht einfach so stehen geblieben sein, aber nun, da eine Regenfront über die Küste zieht, ist es hier wohl noch am angenehmsten. Der Wind bläst stark vom Meer herein und es riecht nach salziger Luft. Ich rieche es! Die Badezimmer – ja, man kann sie als Badezimmer bezeichnen – sind bestens beheizt, genauso wie der Bereich zum Geschirr waschen und der Wäschetrockenraum, in dem sich manche Leute einfach zum Ratschen treffen, weil es so schön warm ist. Die Duschen sind heiß und es klappt alles ganz gut mit meinem Indoor Büro. Sprich, ich räume das blaue Tischchen gar nicht mehr aus dem Auto, sondern lasse es aufgebaut einfach drinnen stehen. Das geht sich ums Arschlecken aus und es ist zwar eng beim Ein- und Aussteigen, aber ich kann halbwegs bequem arbeiten.

Draußen hängen die Wolken tief und die Sonne versucht, durchzukommen. Dann steigen die Nebel hoch und für ein paar Minuten ist es warm und sonnig. Und dann regnet es wieder ein bisschen. Wenn‘s grad nicht regnet, gehen das Hündlein und ich an den Strand und ich werfe Steine und Stöcke. Zwischendrin wäre ich gern mal was einkaufen gegangen oder in ein Café, doch so herrlich leger die Briten sind, wenn es um Hunde auf der Wiese oder am Strand geht, so sonderlich sind sie, wenn es um drinnen geht. Hund dürfen kaum wo hinein, nicht einmal in Andenkenläden, auch wenn es da keine Lebensmittel gibt. Die wenigen Pubs, die Hunde im Barraum gestatten, schildern das extra groß draußen an.

 

Neben mir zeltet Robert aus Dundee, das ist eigentlich gar nicht weit weg. Aber er hat einen guten Job in Aberdeen erwischt, meint er, und die Zimmer dort seien zu teuer. Er ist Kranfahrer, macht das aber nur noch zwischendrin, weil er jetzt lieber Holzskulpturen schnitzt, davon aber nicht leben kann. Die übliche Geschichte… er zeigt mir Bilder seiner Skulpturen, echt der Hammer. Noch einen Platz weiter parkt ein altes Ehepaar mit einem uralten Dackel. Der Mann ist Polizist in Pension und der Dackel ist schon 16 Jahre alt. Wanda hat enormes Interesse an ihm, doch der nimmt eher lethargisch hin, wenn sie ihn anspringt und spielen will.

Nach der dritten Nacht reicht es dann irgendwie. Es ist wunderbar hier, keine Frage, doch diese Caravaning Clubs haben einfach den Nachteil, dass hier so gar nichts persönlich ist. Eine geschotterte Stellfläche neben der anderen, kein Baum, kein Blümchen, ein jeder geht seinem Tagesgeschäft nach und am Abend sitzen alle vor dem Fernseher. Bis auf mich, aber ich sitze halt vor dem Computer. Es geht mir auch gar nicht so sehr um viele, viele Kontakte, nein, eher wohl darum, dass es hier gar so klinisch geregelt zugeht. Oder vielleicht bin ich einfach grad komisch. Wer weiß. Also, weiter geht’s!

 

23. Mai oder The Whisky Trail

Dunnottar Castle, das muss ich mir unbedingt ansehen, hat mein Nachbar mit dem Dackel mir gesagt. Also fahre ich gleich in der Früh hinauf zu der Burgruine über der Stadt. Die Gemäuer hocken auf einer kleinen Halbinsel, die über einen Pfad zu erreichen ist und es sieht wirklich beeindruckend aus. Während ich die schönsten Einstellungen festzuhalten versuche, schnüffelt das Hündlein im Gebüsch herum, es ist wie immer. Als ich aber dann hinunter gehen möchte zu dem kleinen Übergang zum Schloss, bemerke ich plötzlich eine riesige Beule über Wandas linkem Auge und werde etwas hysterisch. Hat sie was gestochen? Hat sie was gefressen? Eine giftige Pflanze? Sämtliche bisher miterlebten Horrorgeschichten von anderen Hunden fallen mir ein und ich drücke an der Beule herum, um festzustellen, was das ist. Das Hündlein quietscht nicht und tut nichts, kommt mir aber natürlich schwer charakterlich verändert vor und so packe ich sie und mache mich im Laufschritt Richtung Auto auf, wo ich das erste Mal auf dieser Reise in Österreich anrufe. Carola (DANKE) beruhigt mich und meint, erst mal beobachten. Also erst Mal zurück nach Stonehaven, unter anderem Hundeleckerlis einkaufen und dann weiter Richtung Aberdeen.

 

In Aberdeen bleibe ich gleich noch einmal in einem Park stehen, um des Hündleins Verhalten zu studieren und denke mir, schau fesch, in so einem Park wäre ich jetzt nicht so einfach stehen geblieben. So aber spazieren wir über gepflegten Rasen und genießen die Ruhe, das Hündlein, das wohlauf scheint, und ich. Ich habe eine Gabe Arnica Montana verabreicht und selbst auch gleich eine genommen, könnte ja meinem schmerzend verspannten Nacken helfen ist mir eingefallen.

 

Das Schlimmste an dieser Gegend ist wirklich, dass es so viel zu sehen gibt! Wo anfangen, wo aufhören? Schlösser, Burgen, Burgruinen, Steinkreise, die Stätten der Pikten und und jetzt auch noch der Whisky Trail! Ja, es gibt ihn wirklich, den „Malt Whisky Trail“ und jedes Mal, wenn ich an einem der Schilder vorbeifahre, muss ich an einen meiner Lieblingsfilme denken, ein alter Western Klassiker, „The Hallelujah Trail“.

 

 

Eine Destillerie nach der anderen, viele Namen davon kennt man, eine schöner als die andere, diese Destillerien sehen einfach immer so schön altmodisch aus! Und dazwischen einfach Landschaft, Weite, Ginster, einspurige Straßen, Steinkreise und Monumente. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, nicht immer den ganzen Tag so zu füllen, passiert es trotzdem. Und so kommen wir am Ende des Tages einigermaßen erschöpft in Speyside an und ich sehe sofort ein, dass wir hier zwei Nächte bleiben müssen. Allein, weil morgen Abend der Fish’n’Chips Trailer vorbei kommt 😉

 

24. Mai oder wie ich endlich meine Fish and Chips bekomme

Wie Ihr ja alle wisst, sind Fish and Chips die Nationalspeise der Briten. Dazu gibt es allerlei Scherze wie „Großbritanniens am meisten vertraute Speise“ (grob übersetzt). Wenn man um die Mittagszeit an einer Fish and Chips Bude vorbei kommt, dann trifft man hier alle – vom Montagearbeiter bis zur Sekretärin, Fish and Chips sind gut, viel, fettig und billig. Und das scheint bei den Gesamtpreisen in diesem Land einfach zu zählen, ist ja klar.

Nun ist’s ja so, dass es diese einfachen Standln, irgendwo an der Straße, kaum mehr gibt, oder halt weniger als früher, und die Fish and Chips in fixen Lokalen verkauft werden, zum Mitnehmen. Und fixes Lokal bedeutet: Wanda darf nicht mit. Wie bei vielen britischen Einrichtungen dürfen Hunde nicht rein, aber es gibt auch keine Gelegenheit, sie kurz draußen zu lassen (was ich eh eher nicht tun würde, von dem ganz abgesehen), also keine Leinenhalterung oder sowas. Und das ist der Grund, warum ich bisher noch keine Fish and Chips hatte, obwohl ich schon drei Wochen auf der Insel bin, so Daumen mal Pi. Heute aber kommt der Fish and Chips Wagen, so ein Food Truck, hier zum Campingplatz und ich freue mich schon wie ein kleines Kind.

Der Tag war also ganz beschaulich, ich bin froh, dass wir einen Tag wirkliche Pause eingelegt haben, arbeite, gehe mit Wanda spazieren – es gibt hier einen eigenen „Dog Walk“ – und koste zwei britische Biere. Und dann ist er da, der Fish and Chips Wagen und die gesamte Campingplatzbevölkerung wartet bei noch geschlossener Seitenwand auf die Mahlzeit. Es ist ein wenig wie ein Schulausflug, alle sind in freudiger Erwartung. Es sollen übrigens die besten Fish and Chips weit und breit gewesen sein, erfahre ich später… doch dazu später 😉

 

25. Mai oder wie wir im Wald geschlafen haben

Ich schreibe ja jetzt, ein paar Tage später, drum kann ich es schon verraten: es ist dieses einfach zu viel Input bekommen, das einen schier in den Wahnsinn treibt! Weil, ich mache mir ja nie viel Pläne, wenn ich wohin fahre. Die Dinge sollen sich ergeben dürfen. Nun ist’s aber so, dass die Briten vor dem Brexit stehen, kein Mensch weiß, ob sie dann nicht wieder die strenge „keine Haustiere einreisen“ Regelung wieder zurückholen, die sie lange Jahrzehnte praktiziert haben. Keiner weiß, was dann die Währung macht, der Tourismus, die Abgasregelungen alter Fahrzeuge, alles. Darum sind wir ja jetzt hergefahren, La Carissima, das Hündlein, der Blues und ich, solange alles noch relativ einfach geht. Und darum habe ich mir grob Pläne gemacht, weil Britannien ja nicht grad um die Ecke liegt und eben wegen man weiß ja nicht, wann man wiederkommt.
Jetzt habe ich also eine Karte, in der grobe Ziele eingezeichnet sind, einen Lonely Planet Reiseführer mit Eselsohren, einen Brit Stops Führer mit Eselsohren, mittlerweile auch einen Caravaning Club Reiseführer mit Eselsohren und eine zweit Landkarte, auf der Fremdlinge etwas eingezeichnet haben. Und ehrlich: ich könnte durchdrehen, weil ich gar nimmer weiß, was ich zuerst ansehen soll. So geht das nicht! Aber wenn man was ändern will, dann dauert das ein Weilchen und somit waren wir an diesem Tag noch lange nicht soweit. An der Küste soll es einen herrlichen Campingplatz am Meer geben, hat Robert gesagt. Es soll einen Platz zum Delphine beobachten geben, sagt meine Landkarte. Es gibt da einige nette Plätze zum Übernachten, sagt der Brit Stops Führer. Und etwas oberhalb von Inverness gibt es nochmal einen Platz zum Delphine beobachten sagt Catherine, die ich ganz woanders kennen gelernt habe. Und in Inverness gibt es einen ACSI Campingplatz. Ihr versteht mein Dilemma?
Also, so haben wir es dann gemacht, einfach aus dem Bauch heraus:

1. Zuerst zur Strathisla Destillerie, die liegt ja direkt am Weg. Eine entzückende, gut gepflegte Destillerie, die den Chivas Brüdern gehört, ja, hier wird der Chivas Regal hergestellt. Und gehören tut das Ganze Pernod Richard. Capisco?
2. Dann zum Speyside Dolphin Centre in Spey Bay, wo wir keine Delphine, aber ganz in der Ferne Seehunde im Wasser gesehen haben. Und dafür richtig lange am Strand Stöckchen und Steine gesucht haben.
3. Am Meer entlang weiter nach Burghead, geniale Aussicht aufs Meer.
4. Dann gibt es ja hier die Ortschaft „Dallas“ und da musste ich natürlich hin, eh klar. Und eine Destillerie haben die auch, die zwar nur noch ein Museum ist, doch wurde dort ein sehr leichter Whisky für den Export nach Indien hergestellt, der extrem gut schmeckt und denn kaufe ich. Nachdem ich von den sinnlosen Hundeverboten mittlerweile ein wenig angepisst bin, nötige ich den Verkäufer, Wanda draußen zu beschäftigen, bis ich mich entschieden habe. Der steht in seinem super Destillerie Verkäufer Outfit nun vor der Tür und hält Wandas Leine, während die heulend an der Türschwelle steht. Sie weiß einfach, wie das geht…

 

Diese ganze Dallas Tour muss man sich so vorstellen, dass man hier auf einer einspurigen Straße mit 20 km/h durch die Landschaft fährt, ein wohlgemerkt beeindruckend schöne Landschaft. Doch ist es so, dass dann auf einmal der Tag vorbei ist und Tantchen mag jetzt gar nichts mehr, auch keinen Campingplatz. So kommt der Brit Stops zum Einsatz und wir landen in einer Gärtnerei mitten im Wald. Die Dame, die dort wohnt und den Tea Room betreut, ist gerade beim Kuchen backen und irgendwie verwirrt, aber klar, natürlich kann ich hier übernachten, meint sie. Neben uns steht noch eine andere einzeln reisende Frau mit VW Bus (ein 5er) und Hund, die vor ihrem Auto sitzt und stickt. Leider ist sie nicht recht kommunikativ.

 

PS. Bisschen entrisch war es dann schon, so in der Nacht im Wald. Wegen Klo und so.

PPS. Und hier geht es dann weiter.